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Im
Februar wars mal wieder soweit. Die fünfte Jahreszeit rückte unaufhörlich
näher. Karneval oder „Fasteloovend“, wie der Kölner sagt, stand
vor der Tür. Für den wohl größten Teil aller Rheinländer sind dies
wohl die wichtigsten Feiertage im Jahr.
Für
Sigrid, Martina, Andrea und Gerda liefen die Vorbereitungen schon seit
Wochen auf Hochtouren. Sie trafen sich regelmäßig
zwecks Besprechung und Herstellung ihrer Kostüme. In diesem Jahr hatten
die vier sich entschlossen, als Hexen ihr Unwesen zu treiben.
Zu ihrem Outfit gehörten liebevoll genähte Kostüme (vielen Dank an
Gerda!), große spitze Hüte und auch Reisigbesen, die sich aber leider
als total fluguntauglich herausstellten. Naja… vielleicht wars auch
der falsche Zauberspruch.
Damit
konnte ich leben.
Aber noch viel schlimmer war die Tatsache, das die Mädels sich für
schwarze NETZSTRUMPFHOSEN entschieden hatten.
Allein der Gedanke daran führte dazu, das mir ständig eiskalte Schauer
über den Rücken liefen. Damit aber nicht genug. Ich hatte massive
Schlafstörungen und permanenten Würgereiz. Mich plagten Depressionen
und sogar Selbstmordgedanken. Ich ließ mich total hängen und vernachlässigte
die Körperpflege.
So
geht’s mir eigentlich immer, wenn ich nur das Wort STRUMPFHOSE höre
oder lese.
Unvorstellbar für mich, das meine Frau nach so vielen Jahren Abstinenz
jetzt wieder rückfällig werden sollte.
Dem musste Abhilfe geschaffen werden. Ich hegte einen teuflichen Plan. Für
solche Probleme gibt’s ein Zauberwort: EBAY !!!.
Dort konnte ich dann auch noch sehr preiswert ein Paar neue schwarze
Netzstrümpfe, sogar mit Naht, ergattern.
Nach drei Tagen brachte der liebe Postbote die heiss begehrte Sendung. Hübsch
waren sie anzusehen. „Einheitsgrösse“ stand auf der Verpackung.

Ein
sofort eingeleiteter Längendehntest bestätigte mir, das die Strümpfe
mehr als flexibel und für (fast) alle Einsatzzwecke tauglich waren. Sie
würden sicherlich kleinwüchsigen aber auch 2-Meter-Damen passen. Von
der Reißfestigkeit ganz zu schweigen.
Ich
nahm einen Strumpf und knotete ihn fest an den Griff unseres Küchenfensters.
Mit dem anderen Strumpfende in der Hand bewegte ich mich langsam und
vorsichtig in Richtung Küchentür (Anm.: unsere Küche ist ca. 4 Meter
lang).
Kurz
vor dem Ziel hörte ich ein seltsames Geräusch, welches immer lauter
wurde.
Einigen Lesern wird bekannt sein, das wir in unserer Gegend bereits 2
mal von Erdbeben heimgesucht worden sind. So in etwa würde ich dieses
Geräusch definieren. Jetzt ging alles sehr schnell. Das Fenster brach
aus der Wand und flog auf mich zu. Nachdem ich mich aus den Trümmern
befreit hatte, krampfhaft immer noch den Strumpf festhielt, musste ich
zu meinem Erstaunen feststellen, das unsere Küche (ich übrigens auch)
stark renovierungsbedürftig war.
Aber… Was solls. Die Tapete gefiel uns eh schon lange nicht mehr. Da,
wo vor ein paar Minuten noch ein Fenster war, klaffte jetzt ein großes
Loch in der Wand. Natürlich hat dies auch seine Vorteile. Zeitungsbote
und Briefträger müssen sich nicht mehr mit dem engen Schlitz unseres
Briefkastens herumärgern und die Luftzirkulation in unserem alten Haus
ist jetzt viel besser. Außerdem finden unsere beiden Katerchen viel
schneller den Weg auf die Strasse. O.k.… die Heizkosten werden ein
wenig steigen, aber das nehme ich in Kauf.
Ich
weiche vom Thema ab. Zurück zum Netzstrumpf.
Ihr
werdet es nicht glauben, aber er hat diesen Vorfall ohne sichtliche
Blessuren heil überstanden. Noch nicht mal eine klitzekleine Laufmasche
(gibt’s bei Netzstrümpfen überhaupt Laufmaschen???) fiel mir nach
eingehender Prüfung auf.
Der
Kauf hat sich also in jeder Hinsicht gelohnt. Das Produkt ist absolut
strapazierfähig und alltagstauglich.
Einen
ausführlichen Bericht dieses Versuchs habe ich bereits an die Stiftung
Warentest und den TÜV Rheinland weitergeleitet.
Ich
freute mich, als mein Schatzi dann abends, ziemlich gestresst von der
Arbeit heimkam. Schatzi konnte meine Freude leider nicht teilen, als sie
das Ausmaß der Katastrophe in der Küche erblickte.
Dafür
habe ich nun absolut kein Verständnis. Sie war sicher nur überarbeitet
und leicht gereizt.
Eine
heftige Diskussion folgte. Mittlerweile hatten sich auch einige unserer
Nachbarn am offenen Loch, welches früher mal unser Fenster war,
eingefunden. Sie schienen unser Gespräch sehr interessant zu finden.
Ich hatte jedoch den Eindruck, als würden sie hinter meiner Frau
stehen. Jeder auch noch so belanglose Satz von Ihr wurde mit Klatschen,
Hurra-Rufen und Laola-Wellen von den netten Leuten unterstützt.
Vorbeifahrende Autos hupten.
Meine Argumentation hingegen wurde ständig mit lauten Buh-Rufen und
Pfiffen quittiert.
Ich kam schnell zu der Erkenntnis, das meine Nachbarn männerfeindlich
eingestellt sind und mich nicht mögen.
Etwa
2 Tage später dann, meine Frau hatte sich ein wenig von dem Schock
erholt, mussten die Superstrümpfe endlich unter Beweis stellen, das sie
auch in der Lage waren, ein weibliches Bein zart zu umhüllen. Schließlich
ist das ihre wahre und einzige Berufung.
Dazu
begab ich mich mit meiner Lieblingsfrau ins Wohnzimmer, denn die Küche
schien sich (wegen der Nachbarn und des Durchgangsverkehrs) nicht dazu
zu eignen.
Ich
hatte die Cam im Anschlag, war jedoch nicht in der Lage, ein Foto zu
schießen.
Warum
ist „Mann“ immer nur so zittrig und nervös, wenn „Frau“ grazil
und betont langsam ihre Strümpfe überstreift???
Hach…
Ich liebe dieses Ritual !!!
Wie
nicht anders erwartet… Dank „Einheitsgröße“
passten sie. Die Naht war kerzengerade. Einfach nur ein toller Anblick.
Meine
Liebste war auch hellauf begeistert.
Eine knappe Stunde später, ich war auf dem Weg ins Schlafgemach mit dem
Vorhaben, die Netzstrumpfhose nun endgültig in die ewigen Jagdgründe
zu schicken, sie gnadenlos zu zerstören.
Plötzlich kam mir aus dem Wohnzimmer ein heiseres Röcheln zu Ohren.
Sofort an der Schlafzimmertüre machte ich kehrt und rannte wieder die
Treppe ins Wohnzimmer hinunter.
Ein erschütternder Anblick bot sich mir. Meine Holde saß, nein, sie
lag im Sessel, kreidebleich im Gesicht.
Als ich dann auf ihre Beine blickte, musste ich zu meinem Entsetzen
feststellen, das sie blau anliefen.
Was
war nur geschehen?
Die Strumpfränder hielten die Oberschenkel meiner leidenden Frau im
festen Würgegriff und schienen sich, wie in einem drittklassigen
Horrorfilm immer mehr zusammen zu ziehen.
Die Blutzirkulation wurde dadurch unterbrochen. Nun musste ich schnell
handeln. Ich stürzte eilig auf meine Frau zu. Fast hätte ich ihr dabei
auf die Zunge getreten. Geistesgegenwärtig öffnete ich die Clips der
Strumpfhalter und riss ihr die mörderischen Netzdinger vom Leib.
So
stell ich mir „Extreme-Bondaging“ vor.
Ich
hielt es nicht für notwendig, Krankenwagen und Notarzt zu rufen, denn
meine Frau kam relativ schnell zu sich und ihre Beine nahmen nach einer
Weile wieder die gewohnte Farbe an.
Welch ein Glück… 10 Minuten später, und ich hätte die verdammte
Strumpfhose bereits zerstört gehabt.
Ab diesem Moment habe ich mich damit abgefunden, das es für meine
Karnevals-Hexe wohl doch besser und gesünder ist, wenn sie sich mit
Strumpfhose in das närrische Treiben begibt.
Was die Netzstrümpfe angeht, so habe ich sie im Kofferraum meines
Wagens deponiert.
Einer wird in Zukunft als Abschleppseil (tauglich bis 7,5 Tonnen) und
der andere als Ersatzkeilriemen seinen Dienst verrichten.
Ein
neues Fenster, Tapete und Küchenmöbel sind mittlerweile auch bestellt.
In ein paar Tagen beginnen die Renovierungsarbeiten.
Dies war der erste Teil meiner kleinen Geschichte.
Solltet
Ihr der Ansicht sein, ich hätte ein klein wenig übertrieben, so muss
ich Euch Recht geben, obwohl auch einiges der Wahrheit entspricht.
Gruß
*** Peter ***
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