Unser Urlaub 2005

 

 

Im September war es endlich wieder mal soweit: Der lang ersehnte und wohlverdiente Urlaub kam immer näher. Ursprünglich hatten wir aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht vor, dem Alltag in ferne Gefilde zu entfliehen. Die Gründe lagen auf der Hand: Unser altes Haus bedurfte einer gründlichen Außensanierung, was frische Farbe anging. Außerdem haben wir vor sehr langer Zeit ein neues Auto bestellt, das (auch nach mittlerweile fast 4 Monaten) nicht den Weg zu uns gefunden hat. Die erste Woche verbrachten wir also mit Hochdruckreiniger, Sandpapier, Farbe und Pinseln aller Art. Das ein oder andere Pflaster wurde auch dringendst benötigt. Recht zufrieden mit dem Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit freuten wir uns auf den kommenden Montag.

5(!) Tage vorher begann Sigi schon mit dem Packen der Koffer. Wohlgemerkt: wir wollten nur für eine knappe Woche nach Oberbayern.

Das Fassungsvermögen sämtlicher Koffer, Taschen, Rucksäcke und Alditüten, die sich in unserem Besitz befinden, wurde bis zum Bersten ausgenutzt. Meine Frau ist eine (Ver)Packungskünstlerin. Es ist schon irre. Sie schaffte es tatsächlich, den Inhalt unserer Kleiderschränke und fast den gesamten Haushalt in den oben genannten Behältnissen ohne große Schäden unterzubringen. Zum Glück sind wir „bodenständige“ Menschen und hatten vor, mit dem Zug das ferne Urlaubsziel zu erreichen. Jedes Flugzeug hätte wohl mit diesem zusätzlichen Gewicht noch nicht mal von der Startbahn abgehoben. Die Antwort auf meine Frage, wer wohl die Lasten zu tragen hatte, könnt Ihr Euch sicherlich denken. Nennt mich ab heute Packesel!

Um es kurz zu machen: Unser Zug brachte uns pünktlich ans Reiseziel. Der ICE brachte es stellenweise sogar auf 304 km/h trotz der hohen Zuladung. Unser malerischer Urlaubsort befand sich mittig zwischen Rosenheim und Kufstein, wo wir von unseren Gastgebern gegen Mittag freundlich empfangen wurden.

Stunden später, nachdem mein Schatz den Inhalt der Koffer in die Schränke und auf den Balkon verteilt hatte, wurde geduscht. Es wurde schon langsam dunkel und wir hatten uns ein zünftiges bayerisches Abendessen verdient. Als wir von der Gastwirtschaft zurückkamen, fielen wir gegen 20:30 Uhr hundemüde ins Bett, als hätten wir gerade einen 3000er erklommen.

Soviel zu unserem ersten Tag.

Unsere Wanderschuhe lächelten uns schon entgegen, als wir am nächsten Tag ausgeruht und voller Tatendrang aufwachten. Nach einem ausgiebigen Frühstück gings auf den ersten Berg. Wer meine Frau kennt, weiß das sie außer mir nichts mehr liebt als die Berge. Ich eigentlich auch. Aber warum muss sie die stellenweise fast senkrechten Anstiege im D-Zug-Tempo hinauf rennen. Hey.. Ich bin immerhin schon fast 48!!!

Am Ziel angekommen wurden wir auch dank des schönen Wetters und der optimalen Fernsicht mit einem wunderschönen Panorama belohnt. Stolz trugen wir uns in das Gipfelbuch ein.

Soviel zu diesem Thema.

Die geneigten Leser unserer HP werden sich nicht sonderlich für unsere weiteren Bergerlebnisse interessieren (sorry, Reinhold Messner). Schliesslich gehören wir zu der illustren Truppe der „Korsett-und-Nylon-Freunde“. Also mache ich jetzt einen Zeitsprung zu Mittwoch, an dem ein München-Besuch anstand. Schließlich war ja Oktoberfest.

Ein Dirndl besitzt Sigi leider nicht, obwohl es sicherlich recht nett aussehen würde, wenn sie ein Korsett darunter trägt. Der Morgen begann schon vor dem Frühstück mit einem kleinen Problem. „Was ziehe ich an?“ Korsett und Nahtstrümpfe sollten es schon sein. Aber wie erklärten wir unseren immerhin schon über 70-jährigen Zimmervermietern dieses Outfit? Sigi entschloss sich, die Nylons und das Korsett erst nach dem Frühstück anzuziehen. Schließlich waren wir in der tiefsten oberbayerischen Provinz und wir wollten die sehr netten Leute nicht zu sehr schocken. Gestärkt mit Kaffee, Semmeln, Wurst, Käse und Ei begann anschließend auf dem Zimmer die Verwandlung meiner liebsten vom

braven Mädchen in einen Vamp. Nachdem sie sich umgezogen, frisiert und geschminkt hatte, legte ich ihr das Korsett an und schnürte so, das die vorhin eingenommenen Nahrungsmittel kaum noch Platz hatten. Zunächst trug mein Schatz ganz normale Nylons ohne Naht, steckte aber ein neues, noch verpacktes Paar kupferfarbene Nahtstrümpfe in ihre Handtasche. Die wollte sie dann während der einstündigen Zugfahrt gegen die anderen Strümpfe austauschen. Auf dem Weg zum Bahnhof schützte sie eine lange Jacke vor neugierige Blicke. Niemand sah, das sie Ihr rotes Korsett (ich liebe es!) darunter trug. Die geplante Strumpfwechselaktion erwies sich im Zug leider als unmöglich, da die Eisenbahn wegen des Oktoberfestes brechend voll war. Die Fahrt nach München genossen wir im Stehen. Endlich in der Metropole angekommen, sahen wir uns sofort nach einer geeigneten Möglichkeit für die geplante Nylon-Tausch-Aktion um. Direkt in der Nähe des Bahnhofs befindet sich das große Kaufhaus Hertie, das für unser Vorhaben ideal schien.

Im dritten Stock war die Damenabteilung. Zielstrebig steuerte meine Frau auf die Rolltreppe zu, während ich unten wartete. Die Zeit verging und ich vertrieb mir die Langeweile ein wenig mit dem betrachten der Auslagen. Mein geübter Kennerblick erspähte alsbald tatsächlich ein paar Schaufensterpuppen, die Korsetts trugen. Als ich aber die hohen Preise (ca. 399 €) und die eher mäßige Qualität der Kleidungsstücke zur Kenntnis nahm, war mein Interesse schnell verflogen.

Und dann kam sie! Die beste Ehefrau von allen „schwebte“ die Rolltreppen hinunter. Was für ein Anblick! Er ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Der absolute Wahnsinn. Nicht mit Worten zu beschreiben. Auffälliger gings einfach nicht. Vorweg sollte ich vielleicht erwähnen, welchen Rock meine Frau trug. Er endete kurz über dem Knie, aber auf der vorderen linken Seite befindet sich ein Schlitz, der wegen der Enge des Rockes die nötige Beinfreiheit gewährt. Dieser zitierte Schlitz ist recht großzügig bemessen und endet sehr hoch am Oberschenkel. Sigi konnte am Rock zupfen wie sie wollte. Erfolglos! Der Schlitz gab preis, was sie drunter trug. Deutlich waren Strumpfhalter und der Ansatz der Nylons zu erkennen. Und nicht nur für mich. Offensichtlich waren die Strümpfe wohl etwas kürzer geraten als die anderen Strümpfe, dessen Rand man eigentlich nur beim Sitzen erkennen konnte. Ok, wir waren in einer Großstadt, in der uns niemand kannte und dessen Einwohner sicherlich anderes als solche tiefen Einblicke gewöhnt sind. Aber das war selbst mir ein wenig zu frivol. Auf unseren Stammtischen ist das schon etwas anders. Da sind wir unter uns und Frau zeigt gerne ein wenig bestrumpftes Bein.

Es bedarf keiner Worte, aber wir waren uns einig: Ein neuer, nicht so auffälliger Rock musste gekauft werden. Also wieder zurück in die Damenabteilung. Sehr schöne Sachen gabs da. Aber leider hätte alles, was Sigi gefiel, meinen finanziellen Rahmen gesprengt. Schließlich war Oktoberfest und wir wollten uns noch die ein- oder andere Mass leisten können.

So schön wie es auch war im Hertie… Wir suchten ein anderes Geschäft auf, das unseren finanziellen Möglichkeiten entgegenkam.

Nach ca. 250 Metern nicht ganz unbeachteten Fußweg in Richtung Stadtmitte fanden wir einen netten Laden, der genau unseren Vorstellungen entsprach. Stunden später, mit mindestens 10 verschiedenen Röcken in der Hand, verschwand meine Frau in eine Umkleidkabine. Und wie es fast immer so ist, gefiel ihr am besten der Rock, den sie als ersten anprobiert hatte. Ich ging damit zur Kasse und fragte die junge Verkäuferin, ob Sigi ihn direkt hier anziehen könnte. Dies war kein Problem. Natürlich musste ich ihr das Korsett neu schnüren, da sie es für die Anprobe ausziehen musste. Dies machten wir in der recht engen Kabine. Ein letzter Check vor dem Spiegel im Laden. Der schwarze lange glockige Rock passte hervorragend zu dem roten Korsett. Ja, es hatte sogar einen leicht trachtenmässigen Touch.

Eine junge Verkäuferin kam hinzu und bewunderte Sigi`s schlanke Taille und ihr neues Outfit. Vom Korsett war sie sehr angetan.

Jetzt konnte unser Stadtbummel endlich beginnen. Es war ein herrlicher sonniger Tag. Menschen aller Nationalitäten überfluteten München. Es war Wiesn-Zeit und einfach nur geil!

Geil fand ich nach kurzer Zeit auch, als ich feststellte, das der neue Rock meiner Frau bei Gegenlicht ziemlich durchsichtig war. Der weisse Strumpfhalter und die Strümpfe waren auch ohne Brille sehr gut darunter zu erkennen. Da sie mittlerweile wegen dem traumhaften Wetter auch ihre Jacke über dem Arm trug (ich trug übrigens den alten Rock in einer Plastiktüte), erntete sie viele neugierige und auch neidische Blicke der Passanten. Ich überlegte, wann ich ihr mitteilen sollte, dass sie doch recht transparente Einblicke gewährte und entschloss mich, sie vorerst nicht davon in Kenntnis zu setzen.

Ich weiß: manchmal kann ich ein richtiger Drecksack sein!

Unser Weg führte uns über Umwege durch die City natürlich auch ins Hofbräuhaus. Nach langem Suchen fanden wir tatsächlich noch einen Tisch, an dem 2 Plätze frei waren. Dort ließen wir uns nieder und bestellten 2 Mass.

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Ein original bayerischer junger Kellner der laut Namensschild Miroslaw hieß und uns mit original bayerisch-polnischem Dialekt nach unseren Wünschen fragte, brachte uns schnell zwei mit Gerstensaft und viel Schaum gefüllte Krüge (oder waren es kleine Eimer?), die meine Geldbörse um einiges leerer und meine empfindliche Blase um einiges voller machten. Nach zwei kurz hintereinander folgenden Gängen zur Toilette (Danke an die Toilettenfrau. Machen Sie sich ein paar schöne Tage von meinem Trinkgeld.), bestellte ich noch zwei Krüge. Diesmal bediente uns ein original bayerischer Jugoslawe.

Nichts gegen unsere ausländischen Mitbürger, aber im Hofbräuhaus hätte ich doch eher eine wohlproportionierte bayerische „Zenzi“ im hübschen Dirndl erwartet. Nicht eine einzige haben wir gesehen. Wir saßen mit drei Oktoberfest geschädigten älteren Herren am Tisch, die zunächst offensichtlich über Sigrids Korsett tuschelten. Später dann entwickelte sich ein nettes Gespräch mit ihnen.

Wären wir draußen gesessen, hätte der Eindruck entstehen können, das plötzlich ein Gewitter den blauweißen Himmel mit Blitzen überflutete. Aber der Donner fehlte. Und da wir ja im Hofbräuhaus saßen, drehte ich mich um und erblickte eine japanische Reisegruppe (gibt es eigentlich Japaner ohne Digicam?), die nichts besseres vorhatten, als meine geschnürte Lady zu fotografieren.

Durch die vielen Blitze, in die ich direkt hineinschaute, wurde ich für längere Zeit blind. Der Gedanke ehrt mich schon, zu wissen, das sich Sigrids Fotos jetzt mittlerweile auch auf Festplatten in Japan befinden.

Einmal noch schnell zur Toilette und dann wollten wir weiter mit Ziel Oktoberfest. Die freundliche, übrigens original türkisch-bayerische weiß bekittelte Toilettendame war leider nicht mehr da. Naja.. vielleicht hatte sie ja mit meinem Geld das nächste Reisebüro aufgesucht. An dieser Stelle wünsche ich ihr einen schönen Urlaub.

Ich vergaß, anfangs zu erwähnen, dass in der Innenstadt alle paar Meter die Skulpturen von Löwen in Originalgröße standen, saßen oder lagen. Heimische Künstler hatten ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und sie bemalt. Unter anderem fiel uns einer auf, der recht gut in diesen Bericht passt. Er trug hübsche Dessous, Straps schwarze Netzstrümpfe und war geschminkt.

Zwecks Geschlechtsfeststellung beschaute ich ihn mir von allen Seiten, legte mich sogar darunter. Ich vermute, das es sich wohl um einen schwulen oder transsexuellen Löwen handeln musste. Entscheidet selbst.

Seitdem habe ich eine andere Meinung vom König der Tiere.

Immer auf der Suche nach schönen alten Nylons haben wir natürlich in der Stadt nach Geschäften Ausschau gehalten, aber leider nichts gefunden.

Meine „transparente“ Frau zog, nicht nur wegen der eng geschnürten Taille viele Blicke auf sich. Ich entschloss mich, dieses Geheimnis für mich zu behalten.

Was uns dann auf dem Oktoberfest erwartete, ist kaum mit Worten zu beschreiben. Es war einfach gigantisch! Der Saal auf unserer Kirmes im Dorf würde grad mal als Urinal für Männer reichen, was die riesigen Ausmaße der Zelte auf der Wiesn angeht. Alles übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Riesige Ausmaße hatten leider auch die Preise. Es reichte so grade noch für 2 Mass, die noch mehr Schaum als die im Hofbräuhaus beinhalteten. Die Mass Bier z.B. kostete 7,25 € und ½ Wies`n Hendl 8,45 €.

Achterbahn, Wildwasserbahn und Kinderkarussell mussten deshalb auf unser Mitwirken verzichten. Schließlich wollten wir am Abend auch noch unseren Hunger stillen. Wir verbrachten noch etwa 3 Stunden auf dem größten Volksfest der Welt und machten uns anschließend auf den Weg in Richtung Bahnhof.

Solch ein Tag ist zwar sehr schön, aber auch mächtig anstrengend. Da meine Traumfrau den ganzen Tag fest geschnürt verbracht hatte, wurde im Zug zunächst das Korsett ausgezogen. Über Rosenheim gings dann wieder zurück in unseren malerischen Urlaubsort.

Während der knapp einstündigen Zugfahrt machte Sigi es sich bequem und ich nutzte die Gelegenheit, ein paar Fotos von Ihr zu machen. Dabei hätten wir fast unser Ziel verpasst, weil auf meiner Speicherkarte ja noch sooooo viel freier Platz zur Verfügung war und der Akku der Cam auch nicht leer wurde.

Einige Mitreisende verdrehten sich die Köpfe nach uns und schauten interessiert zu, was wir aber mittlerweile nicht mehr als störend empfanden. Lags vielleicht an den paar „kleinen“ Bierchen, die wir im Verlauf des Tages getrunken haben?

Endlich am Ziel angekommen, lagen noch ca. 5 Minuten Fußweg vor uns, bis wir unsere kleine Pension erreicht hatten. Natürlich mussten wir damit rechnen, das wir von der Pensionswirtin empfangen wurden. Sie stand eigentlich immer an der Tür, wenn wir das Haus verließen oder zurückkamen. (Hatte diese nette Frau eigentlich nix besseres zu tun ???)

Um nicht aufzufallen, entschloss Traumfrau sich, vorher ihre Nahtstrümpfe auszuziehen. Das Korsett trug ich ja bereits in einer Plastiktüte bei mir. Gesagt, getan: Mitten auf der Straße entledigte sie sich ihrer Nylons und wie von Geisterhand geführt, richtete sich meine Kamera auf sie und machte automatisch ein paar Fotos von dieser Aktion.

Wie erwartet, wurden wir dann vom Begrüßungskomitee bereits hinter der Tür herzlich empfangen. Herr und Frau S. müssen dort wohl den ganzen Tag auf uns gewartet haben. Sie machten einen erschöpften Eindruck und setzten ein gequältes Lächeln auf, als sie uns erblickten. Wir erwiderten es. Ihrem prüfenden Blicken entging es anscheinend nicht, das Sigrid`s Beine nicht mehr bestrumpft waren und sie einen anderen Rock als morgens trug. Mein Gott… was sollten sie nur von uns denken?

Wir schämten uns.

Nach einem kurzen Begrüßungsgespräch gaben wir vor, das es ein anstrengender Tag war und wir recht müde seien. Sie akzeptierten es kopfnickend und stellten keine weiteren Fragen.

Hoch errötet mit gesenkten Häuptern schlichen wir uns die Treppe hoch, um in unser Gemach zu gelangen.

Wir rissen uns die Kleidung vom Leibe und…. (nein… nicht das was Ihr jetzt denkt, dazu waren wir einfach zu geschafft) fielen wie tot ins Bett.

Für den kommenden Tag war der nächste Anstieg geplant. Da Euch diese Bergtour wahrscheinlich nicht besonders interessiert, werde ich meinen kleinen Urlaubsbericht an dieser Stelle abschließen.

Ein paar weitere Fotos werden demnächst in unserer Galerie folgen.

Mittlerweile hat der Arbeitsalltag uns leider wieder eingeholt. Wir freuen uns auf den nächsten Urlaub im Mai 2006.

 

 

In diesem Sinne:

Sigrid & Peter