Der peinlichste Moment...

 

 

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aus:

Anna Vaswasi

Das Ewig-weibliche

Eulenspiegel Verlag Berlin, 1961 

 

Der peinlichste Moment im Leben einer überzeugten Strumpfträgerin
Ich bin eine Frau knapp  über 40 und die Umstände (über die ich heute nicht schreiben möchte) brachten es mit sich, dass ich seit meiner Kindheit bis heute überwiegend Strümpfe getragen habe, auch während der "heißen Zeit der Strumpfhose". Durch die "Macher" dieser Seite wurde die Bitte an mich herangetragen, doch einmal einige "Erlebnisse" mit den Strümpfen zu erzählen.
Beim Nachdenken darüber, was ich denn hier zum Besten geben könnte, wurde mir klar, dass es da eigentlich wenig wirklich Berichtenswertes gibt. Natürlich hat man nach so vielen Jahren die angenehmen und auch die unangenehmen Seiten von Strumpf und Strumpfhalter kennengelernt. Man quälte sich mit zu eng gewordenen Hüftgürteln oder solchen, die durch zu kurze Strümpfe nach unten rutschten, musste  mitunter auf plötzliche Pannen reagieren und hatte nicht zuletzt den Spott anderer Mädchen auszuhalten, als es so völlig uncool (neudeutsch) war, noch Strümpfe anzuziehen.
Aber sind das Dinge, über die man einen Artikel verfassen kann? Sicherlich wird es Besucher dieser Seite geben, die es interessant finden, von einem gelösten Strumpfhalter zu lesen, aber wenn man diesen Strumpfhalter fast täglich benutzt, ist es eben nichts weiter, als auch ein aufgegangener Schnürsenkel.
Und doch gab es ein Erlebnis, dass mir so peinlich war, dass ich es noch heute in Erinnerung habe.
Es war zur Zeit der Minimode, der auch ich folgte, wenn auch nicht in extremer Form. Trotzdem trug ich auch in dieser Zeit Strümpfe und es ging besser, als dies allgemeine Meinung ist. Ausreichend lange Strümpfe mit schmalem Rand waren durchaus im Angebot, allerdings machte es schon Mühe, auch entsprechend kurze Strumpfhalter zu finden. Für diese Fälle, in denen ich besonders lange Strümpfe, die fast bis zum Beinansatz reichten, trug hatte ich Strumpfhalterklemmen, die ohne Gummiband mit einer Art Haken versehen waren, direkt in den unteren Saum eines nicht sehr breiten elastischen Hüftgürtels eingehängt (später waren Miederhosen für diesen Zweck extra mit kleinen Schlaufen ausgestattet). Die eigentlich angenähten Strumpfhalter schob ich während der Benutzung dieser verkürzten Version einfach unter den Saum des Hüftgürtels.
Einmal kam nun ein wirklich hochrangiger Gast  zu Besuch in unserer Schule und ich war auserkoren, ihm etwas zu überreichen (so war das eben damals). An diesem Tag hatte ich aber nicht die kurzen Halterklemmen benutzt, diese aber auch nicht entfernt. Wahrscheinlich hatte sich eine dieser Strumpfhalterklemmen durch die Bewegungen aus dem Saum gelöst. Ausgerechnet als ich dort vor dem Besucher zur Übergabe stand, fiel diese Metallklemme mit hörbarem Knall neben meinen Fuß auf den Parkettboden. Alle, die in der näheren Umgebung standen sahen und hörten dies (es war ja in diesem Moment auch recht ruhig). Mich durchfuhr es wie ein Feuer, auch wenn in diesem Moment niemand etwas sagte. Aber für den Spott im Nachhinein brauchte ich nicht zu sorgen.
Ähnlich peinliche Dinge sind mir in den folgenden Jahren nie wieder passiert und selbst das unerwartete Lösen eines Strumpfhalters/-bandes erlebte ich ausgesprochen selten. Wenn es vorkam lag es in der Regel an der eigenen Nachlässigkeit.
Nun liegt diese Geschichte schon recht lange zurück, aber wie gesagt, es fällt mir im Moment nichts ein, über das man mehr als 4 Zeilen verlieren könnte.
Aber vielleicht kann ich gerade deshalb andere Frauen, die noch in ihren Vorbehalten gegenüber Strümpfen leben, ermutigen, diese über Bord zu werfen. Auch wenn das Angebot im Handel auf den ersten Blick nicht dazu angetan ist; es gibt noch Miederwaren und Strümpfe, die das Benutzen zur Freude werden lassen. Sicherlich ist es nicht erforderlich, immer und zu jeder Gelegenheit Strümpfe zu tragen (auch Strumpfhosen haben gute Seiten), aber wer die richtige Paarung Strumpf/Strumpfhalter einmal für sich entdeckt hat, wird sich damit wohl und als Frau fühlen.

Regina