Geschichtliches zum Korsett und Nylons

 

 

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Kein Kleidungsstück fand im Dasein des modernen Menschen eine solch hohe Aufmerksamkeit wie das Korsett. Schon vor über 2000 Jahren wussten die Frauen geschickt mit ihrem Aussehen so umzugehen, dass ihnen die Blicke der Männer gewiss waren. Dabei folgten sie schlicht und ergreifend dem normalen Lauf der Natur indem sie das eigene äußere Erscheinungsbild so in Szene setzten, dass der Mann gar nicht anders konnte als sie visuell zu erfassen und zwangsläufig danach zu streben sie zu erobern. Für diese eigene zur Schau Stellung griffen die Damen auch gerne zu Hilfsmitteln die sie im Laufe der Jahrhunderte ständig verbesserten. Angefangen hat alles mit Wickeln die die Frauen sich fest um die Taille legten um diese schmaler erscheinen zu lassen und um den Busen an zu heben.

Genau diese femininen Attribute sind es, die die Köpfe der Männerwelt auch heute noch verdrehen. Einem kindlichen Gesicht in Verbindung mit einer üppigen Oberweite, einer schmalen Taille und ausladende Hüften war jeder Mann gleich erlegen.

Doch der Reihe nach.

Also während die Damen damals wickelten fanden sie irgendwann zur sogenannten Schnürbrust, welche all diese femininen Merkmale nochmals hervor hob, sich aber leichter anlegen ließ, dem modischen Erscheinungsbild entsprach  und auch besser aus sah. Bis es letzt endlich bis zum Korsett gereifte hatten die Männer schon längst, und das nicht ganz uneigennützig, die Herstellung übernommen und sie mit ihrem technischen Verständnis weiter entwickelt.

Das ging sogar so weit, dass die Gilde der Korsettschneider über eine ganze Zeit nur den Männern vorbehalten war.

Auch die Mode reifte weiter im Laufe der Jahrhunderte und verlangte immer mehr nach noch schmaleren Taillen und somit nach noch strengeren Korsetts bis sie um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Das S-Line Korsett wurde geboren.

Eigentlich entworfen um Erleichterung zu schaffen indem eine sehr stabile Planchette verwendet wurde um den starken Druck im Bauchbereich von den inneren Organen zu nehmen. Nun wurde der Bauch- und Brustbereich in eine gerade Linie gehalten, das Becken nach hinten gedrückt und die nicht ins Korsett gefasste Brust nach oben. Durch die nun voller erscheinenden Brust und dem nach hinten heraus gedrückten Beckens das auch den Po praller hervor hebt erscheint der Torsos von der Seite betrachtet in der Form eines S, das dem Korsett zu seinem Namen verhalf. Durch die sehr starke Planchette ergab sich eine extrem schmale Taille die sich aber jetzt seitlich oberhalb des Beckenkamms entwickelte. Mit dieser Erkenntnis wurden noch steifere und längere Korsetts entwickelt die jetzt auch noch das Becken bis zum Po umschlossen um diesen auch noch zu einem schmaleren Aussehen zu verhelfen.

Doch dieses Extrem hielt nicht lange an und es wurden wieder angenehmer zu tragende Korsetts entwickelt. Und um dies nach außen hin zu vermitteln wurden schmückende Beinamen wie z. B. *Gesundheitskorsett* in den Auslagen der Geschäfte verwendet.

Erst mit dem 1. Weltkrieg und den hereinbrechenden schlechten Zeiten wurde weitestgehend auf enge Schnürungen verzichtet so fern man nicht zur oberen Gesellschaft gehörte. Doch der 2. Weltkrieg machte dem Korsett den Garaus …. vorerst. 

Zu Beginn des 2. Weltkrieges gab es allerdings eine Erfindung die wiederum das modische Erscheinungsbild der Damenwelt verändern sollte. Im Jahre 1938 meldete die Firma duPont in den USA einen sehr feinen Kunstfaden zum Patent an der als Konkurrenz zur japanischen Naturseide entwickelt wurde. Nach mehreren Versuchen der Namensgebung entschied man sich letzt endlich zur Bezeichnung Nylon, welcher aber nicht geschützt wurde. Zuerst für Zahnbürsten genutzt wurde er wenig später auch zur Herstellung von Damenstrümpfen verwendet, was nicht nur die Damenwelt in Verzückung versetzte. Am 15. Mai 1940 verkaufte duPont in zuvor ausgewählten Läden in den Metropolen der USA die ersten 5 Mio. Paar und ging als *N-Day* in die Geschichte ein. Bereits 2 Jahre zuvor wurde als Alternative zum Nylon in Deutschland das Perlon entwickelt. Zuerst in militärischen Bereichen genutzt kamen die ersten Damenstrümpfe aus Perlon erst 1943 auf den Markt.  

Nylon- und Perlonstrümpfe erfreuten sich während und nach Ende des Krieges aller größter Beliebtheit. Zunächst gab es sie nur mit der an der Rückseite der Beine obligatirischen Naht. Konnte man sich keine echten Nylons leisten wurde jene Naht mit einem Kajalstift aufgemalt.

Als sich zum Ende des Krieges die Nylonproduktion wieder vermehrt der Verhüllung der weiblichen Beine widmete wurden bei Macy’s in New York in 6 Stunden 50.000 Paar Nylonstrümpfe verkauft und bezeichnete abermals die extreme Beliebtheit dieses Materials.

Anfänglich noch in Fadenstärken von 40 – 70 den hergestellt, wurden diese recht schnell von 20 – 30 den Fäden abgelöst. Erst 1951 wurden Fadenstärken von 10 den erreicht.

Zu jener Zeit war das Korsett längst auf dem Rückzug, wurde mehr und mehr von elastischen Miedern ersetzt und fast nur noch aus orthopädischen Gründen getragen.

Ab 1955, nach Erfindung der Wirktechnik die es ermöglichte den Faden endlos rund zu stricken, verschwanden langsam aber sicher leider auch die Nahtstrümpfe.

Doch ein kleiner Kreis von Liebhabern hat sich dem Vorhaben verschrieben diese alt hergebrachte Mode nicht sterben zu lassen. Sei es durch die Instandsetzung alter Strickmaschinen um den feinen Zwirn zu wunderschönen Nahtnylonstrümpfen zu verwandeln, die Aufrechterhaltung des Korsettschneiderhandwerks oder jene Leute die dafür sorgen, dass man diese wunderschönen Errungenschaften der Menschheit ab und zu mal irgendwo in irgendeinem Stadtbild zu sehen bekommt und uns ins Schwärmen versetzt.

Wolle