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Sie saß im Cafe gleich um die Ecke und grübelte mal wieder über
ihr bis dahin trauriges Dasein nach. Wie öde war es doch, nachdem sie
sich von Bernd getrennt hat. Doch sie musste es tun weil sie dieses
Leben nicht mehr mit machen wollte. Immer auf Achse .... keine ruhigen
Wochenenden .... kein miteinander und immer nur mit anderen. Alles
musste immer nur nach seine Nase gehen. Nie konnte sie sich durchsetzen.
Er war ein gut aussehender netter Kerl. Aber nie hatte er Zeit für sie
.... immer nur die anderen. Bis zu dem Tag, an dem sie ihn an die Luft
gesetzt hat .... endlich. Sie starrte dabei unbewusst in ihre Tasse
Kaffee und bemerkte wie sich plötzlich die Lichtverhältnisse um sie
herum veränderten und dunkler wurden. Im gleichen Moment hörte sie
eine tiefe, aber warme Stimme die sie ansprach. Sie schreckte aus ihren
Gedanken hoch, sah auf und blickte in die fast schwarzen Augen eines
dunkelhaarigen Mannes der sie um Feuer bat. Wie zu einer Salzsäule
erstarrt saß sie da und stammelte so was wie ..."was, wie, was
bitte???"
"Na das hier ..." sagte er und griff zum Feuerzeug das
auf ihrer Schachtel Marlboro lag.
"Ja, ja .... natürlich" stotterte sie und klebte
förmlich mit ihren Augen an ihm.
Das ist nun schon 6 Monate her. Sie kann es immer noch nicht
glauben was sich seit dem alles verändert hat. Vor allem seine
Vorlieben die er ihr unterbreitet hatte. Waren diese doch für sie sehr
ungewöhnlich .... und es wurden immer mehr. Dabei hat alles so harmlos
angefangen.
Er holte sie ab um mit ihr zu einem Geburtstag eines guten
Freundes zu gehen. Sie wollte sich diesmal so richtig aufdonnern und
suchte ihre edelsten Schätze aus dem Kleiderschrank. Der Clou jedoch
sollte die Unterwäsche werden. Hatte sie doch heraus gefunden, dass
Frank in dieser Hinsicht einen etwas ausgefallenen Geschmack den seinen
nennt. Die Dessous hatte sie noch am Nachmittag in einer Wäscheboutique
erstanden und sauteuer bezahlt. Das sollte dann auch das Highlight des
Abends werden. Zuerst einen schwarzen Push Up BH mit dem passenden Slip.
Als Krönung dann der Strapsgürtel mit den Strümpfen. Das kleine
schwarze sollte die ganze Sache nach aussen hin abrunden. Doch diese
verdammten Strümpfe wollten an diesen Klipsen nicht halten. Plötzlich
klingelte es an der Tür.
"Oh Gott" fluchte sie .... da war er schon und sie
ärgerte sich immer noch mit den Strapsen rum. Den Tränen nahe und
völlig aufgelöst öffnete sie die Tür.
"Ich wollte mich für dich fein machen und alles geht
schief" schluchzte sie. Er nahm sie in den Arm und schaute sich
ihre Versuche an.
"Tja Mädel .... da bist du aber dem neumodischen Kram auf
den Leim gegangen ohne zu wissen was das für ein Müll ist,"
entgegnete er und fing an ihr haarfein zu erklären was sie beim Einkauf
falsch gemachte hatte. Bis ins kleineste Detail erklärte er ihr worauf
sie beim nächsten Einkauf zu achten hat.
Ihre Augen wurden immer grösser und ihren Mund bekam sie nicht
mehr zu.
"Wie kann es sein, dass ein Kerl all diese Sachen über
Damenunterwäsche kennt???" dachte sie und stellte ihn dann auch
irgendwann zur Rede. Er erklärte ihr, dass er ein grosser Fan der 50er
und 60er Jahre ist und sein Interesse sich hauptsächlich auf die
Damenbekleidung dieser Zeit beschränkt und sein altes 57er Chevy-Cabrio
nur ein kleiner Ableger seiner Vorliebe sei.
Kerstin staunte nicht schlecht und quetschte ihn förmlich
darüber aus.
Sie lernte viel und sie lernte schnell. Sie hatte fortan ebenfalls
Spass an die Klamotten dieser Zeit. Allen Bedenken zum Trotz fühlte sie
sich darin wohl und bemerkte auch, welche Wirkung ihre jetzt noch
femininere Ausstrahlung auf die Menschen in ihrer direkten Umgebung
hatte.
Er erklärte ihr, worauf sie bei der Suche nach der passenden
Mieder zu achten hat.
Dass die Strumpfhalter der Strapsgürtel und Hüfthalter breit
sein müssen und Metallklipse haben sollten .... dass der Stoff der
Mieder fest sein muss damit auch alles da bleibt wo es hin gehört. Und
dann die Nylons!!! Sie wusste gar nicht worauf die Frauen von damals zu
achten hatten. Aber all das machte ihr plötzlich einen riesen Spass,
wenn auch die Suche nach diesen Sachen oft gar nicht so einfach war. Er
zeigte ihr, dass das Internet voller Überraschungen steckt und dort
mehr zu finden war, als das was für ihren Job dienlich ist.
Bald musste sie sich eine neue Komode zu legen um all ihre feinen
Schätze und Altertümchen unter zu bringen. Doch all diese feinen
Sachen in der Öffentlichkeit zu tragen traute sie sich nicht richtig.
Ständig hatte sie Angst, dass irgend jemand was bemerken könnte. Immer
diese Angst, sie würde von den anderen in ein falsches Klischee
gedrängt. Das alles natürlich zum Leidwesen ihres Liebsten .... Frank.
Einen Lichtblick gab es lediglich nur an den verschiedensten 50er
Jahre-Treffen an denen die beiden regelmässig teil nahmen. Doch zu den
"normalen" Events konnte sie sich einfach nicht dazu durch
ringen, obwohl sie sich schon lange mit diesem Gedanken beschäftigt
hat.
Dann kam der Tag, an dem sie all ihren Mut zusammen riss und mit
langer Vorbereitung ihr Outfit mit sehr viel Feingefühl zusammen
stellte. Die Idee kam ihr, als eine Freundin sie zur Hochzeit ein lud
und sie bat, mit ihr das Kleid aus zu suchen. Beim Anblick der weit
ausgestellten Reifröcke beschloss sie sich einen Pettycoat für diesen
Tag zu kaufen. Der Kauf eines Pettycoats stellte sich dann auch als
relativ einfach heraus. Doch der Rest bereitete ihr arges
Kopfzerbrechen. Schliesslich wollte sie auch ihren Frank damit
überraschen und da musste schon etwas aussergewöhnliches her.
Der Pettiycoat reichte ihr bis über die Knie, war dreilagig und
aus weichem Chiffon gearbeitet. Im Internet fand sie durch Zufall ein
weisses Mieder, das aus den 50ern stammt und sein Dasein die ganze Zeit
in einem Miederfachgeschäft in einer vergessenen Truhe fristete und
sogar noch im original Karton verpackt war.
Als ihr der Postbote das Paket übereichte machte sie sich gleich
daran zu probieren ob es passt. Es war schneeweiss, mit 6 Strumpfhaltern
versehen, passte wie angegossen und zauberte eine tolle Figur sowie ein
reizvolles Dekollete’. Sie stand vor dem Spiegel im Schlafzimmer und
glaubte nicht was sie dort sah. Ist sie das wirklich?
Erst jetzt wurde ihr richtig bewusst, was Frank ihr immer versucht
hat zu erklären. Kein Wunder, dass sie ihn nie richtig Glauben schenken
konnte. Kannte sie bis dahin doch nur diese neumodischen Mieder, die
nicht mal in der Lage waren einer gut sitzenden Jeans das Wasser zu
reichen. Und in ihrer Grösse waren solche Mieder mit der entsprechenden
Formkraft erst gar nicht zu bekommen.
Sie ging zum Schrank und holte noch ein paar Nylons heraus um
diese über die Beine gestreift an die Strumpfhalter zu befestigen. Doch
leider erlangte sie nun die Erkenntnis, dass diese langen Mieder nicht
mit langen Nylons zu tragen war. Also mussten jetzt noch kürzere
Strümpfe her. Aber wie gross müssten sie dann sein???
Am liebsten hätte sie Frank gefragt .... aber dann wäre ja auch
die Überraschung dahin. Somit wurde der Satz "Versuch macht kluch"
zum Leitfaden.
Sie sammelte alles mögliche an Textbeiträge was ihr weiter
helfen könnte. Bald stieß sie auf reichhaltige Informationen die ihr
wirklich weiter halfen. Ohne es zu merken saß sie nur mit Korselett und
Nylons bekleidet seit 4 Stunden vor ihrem PC. Sie war überrascht, wie
leicht sich dieses Mieder tragen ließ und ging reich der Erkenntnis,
dass vor 40-50 Jahren in Sachen Miederherstellung schon sehr gute Arbeit
geleistet wurde ins Bett.
Am nächsten Tag stand fest, dass es nur Nahtnylons sein dürfen.
Erst so glaubte sie ihrem Outfit ein rundum komplettes Bild zu liefern.
Nach mehreren Versuchen kam sie wiederum durch die Inanspruchnahme des
Internets dann auch zu den passenden Nahtnylons die ebenfalls so alt
waren wie das Mieder. Lediglich das Kleid ließ sie sich bei einer
Schneiderin nach ihren Wünschen anfertigen. Es war weiss mit schwarzen
Aplikationen. Dazu kramte sie wieder ihre schwarzen Lack-High-Heels aus
der finstersten Ecke ihres Schuhschrankes und wunderte sich die nicht
schon lange weg geschmissen zu haben. Dabei viel ihr auch ein, dass noch
irgendwo ein schwarzer Strechgürtel verstaut sein musste. Ist er zum
Abschluss doch das i-Tüpfelchen, das auch noch die Taille wunderbar
betonen würde.
Nie zuvor hatte sie sich so sehr auf einen Event gefreut und wäre
fast vor Neugierde auf Franks Gesichtsausdruck geplatzt.
Am Tage der Hochzeit stand sie vor lauter Aufregung in aller
herrgottsfrühe auf um auch ja rechtzeitig fertig zu werden. Obwohl ihr
beim Anblick der noch unförmig auf dem Bett liegenden Sachen schon
wieder ganz mulmig im Bauch wurde, gab sie sich nochmals einen Ruck.
Waren die Bemühungen darum doch zu aufwendig und kostspielig um sie
jetzt im Schrank verkümmern zu lassen. Das Ankleiden des Mieders
entpuppte sich immer als etwas schwierig, da es auf Grund des festen
Stoffes genau sitzen muss um über einen ganzen Tag verteilt auch bequem
zu sein. Dafür hat sie auch oft genug geübt und ging ihr heute sehr
leicht von der Hand. Lediglich die hinteren Strupfhalter bereiteten ein
wenig Schwierigkeiten .... ist er doch ziemlich weit hinten angebracht.
"Ach, wenn Frank doch jetzt hier wäre ...." dachte sie.
Aber nach einer Weile hatte sie auch diesen Dreh raus. Jetzt noch
in den Pettycoat gestiegen, das Kleid übergestreift, den Gürtel um die
Taille und in die Heels.
Wieder stand sie vor dem Spiegel und konnte ihren Augen nicht
trauen.
Ist sie es wirklich selber dort oder ist das nur ein Traum.
Plötzlich klingelte es.
Sie drehte sich herum und streifte mit der üblichen Handbewegung
den Knopf des Weckers, machte die Augen auf und schaute sich fragend um.
Sie drehte sich zu ihren Liebsten und schaute ihm direkt ins Gesicht. Er
schlief noch und es war .... Bernd.
Vom Traum noch hin und her gerissen sah sie ihn noch eine ganze
Weile an. Sie wollte auf jeden Fall ihr Leben ändern .... das stand
schon lange fest. Doch nie wusste sie wie sie es anstellen sollte.
Sie fing an zu lächeln und mit den Gedanken noch im Traum
vertieft wusste sie jetzt was sie ändern würde .....
(maybe to be continued)
Diese Geschichte entsprang meiner Fantasie und steht in keinerlei
Zusammenhang mit mir bekannten, lebenden Personen.
Wolle
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