Die Verwandlung

 

 

Um gleich auf den Titel dieser Erzählung zurückzukommen, es begann im Frühjahr vor der Jahrtausendwende.
Mein Arbeitgeber sah vor, dass wir unsere mittelfristige Zukunft im nördlichen NRW bei etwa 52°21' nördlicher Breite verbringen sollten.
Neue Länder, neue Sitten. Es blieb natürlich nicht aus, dass man neue Bekanntschaften und Freundschaften schloss, insbesondere im beruflichen Umfeld.
Zu diesen Freundschaften zählen natürlich auch die zu den Herrschaften, mit denen wir diese Internetseite unterhalten. Aber diese sollen nicht Inhalt der Erzählung sein.
Im speziellen möchte ich auf ein Paar eingehen, was wir zu den wenigen wirklich guten Freunden zählen. Dem Inhalt der Internetseite entsprechend werde ich mich auf die Dame beschränken. Obgleich der äußeren Erscheinung nach eher konservativ geprägt, taten sich im Laufe der Jahre Seiten auf, die man anhand des eben beschriebenen Äußeren nicht vermutet hätte. Deshalb der Titel dieser Erzählung. Der Amerikaner hat für solche Fälle ein sehr passendes Sprichwort : "Never judge a book by its cover". In unserem Sinne aber durchweg positive Seiten, also keinerlei Anlass zur Kritik. In Sachen Ober- und Unterbekleidung, einschließlich Schuhwerk, galt bei der Dame bisher das Motto: "Was bequem und praktisch ist, nicht zwickt und in allen Lebenslagen einsetzbar, ist gut und nicht veränderungswürdig!" Auf Attraktivität im Sinne des männlichen Betrachters, wurde bislang kein, oder nur sehr wenig Wert gelegt. Ich verlasse mich da auf detaillierte Aussagen meiner Frau, die so manches Wort mit der betreffenden Dame bei diversen Anlässen unter 4 Augen gewechselt hat. Man mag mir an dieser Stelle Oberflächlichkeit und Chauvinismus vorwerfen, aber ich beschränke mich auf rein visuelle Eindrücke, innere Werte werden bewusst außer Acht gelassen. Wie schon erwähnt, zählen wir die Dame und ihren Mann zu unseren guten Freunden. Eigentlich selbstverständlich, aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass wir Freundschaften zum größten Teil auf inneren Werten basieren. Aber zurück zum Thema. Kurz gesagt, es handelte sich bis vor kurzem um den weitverbreiteten Supermarktunterwäsche-Strumpfhosen-flache Schnürschuhe-Hosen Typ. Krasser Gegensatz zu meiner Frau also. Das tat dem freundschaftlichen Verhältniss aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Dame nutze die Freundschaft im positiven Sinne gelegentlich, um sich bei meiner Frau modische Anregungen zu holen. So trug es sich also im Laufe der Jahre zu, dass die Dame einen Einblick in eine andere, femininere Welt der Unter- und Oberbekleidung erhielt, aber persönlich von der Verwendung zumindest öffentlich absah.
Ab und zu, sah man die Dame bei festlichen Anlässen durchaus auch mal in Rock und moderatem Absatz, jedoch nie mit hohem Absatz oder glatten Strümpfen am Halter. Vor einigen Tagen aber glaubte ich einer optischen Täuschung zu unterliegen. Man hatte sich in einer Lounge/Bar eingefunden, um cocktailschlürfend gemütlich dem lokalen Sehen-und-Gesehenwerden beizuwohnen. Die Dame hatte sich in einen für ihre bisherigen Verhältnisse recht kurzen Rock gekleidet. Ich rede von einem etwa eine Hand breit über das Knie reichenden Rocksaum, also keinesfalls unüblich. Mein Auge vermutete die bis dato selbstverständliche Strumpfhose. Abgelenkt vom Smalltalk und dem Geschehen der Lokalität entging meiner Aufmerksamkeit, dass der Rocksaum der Dame durch stetige Bewegung auf dem Barhocker sich langsam in Richtung Hüfte verschob. Durch einen beiläufigen Blick in ihre Richtung während des Gesprächs wurde ich schlagartig abgelenkt durch einen starken hautfarbenen Kontrast zwischen dem durch die vermeintliche Strumpfhose dunkel gefärbten Bein und dem dunklen Stoff des Rocks. Ungläubig wiederholte ich einen verstohlenen Blick in Richtung des Rocksaums um meine scheinbare optische Täuschung zu revidieren, aber anstatt mein Wunschdenken wieder zur tristen Strumpfhosenrealität zurückkehren zu lassen, präsentierte sich mir da ein ausgewachsener Strumpfrand. Als ich meine perplexen Augen wieder lösen konnte begegnete ich auf dem Weg nach oben ihrem verschmitzten Blick, der mich völlig überrascht traf. Unbemerkt von meiner Frau und ihrem Mann und unter leicht alkoholisiertem Einfluss ihres zweiten oder dritten Caipirinhas hob sie ihren Rocksaum und präsentierte mir ihre neueste Errungenschaft. An dieser Stelle sollte vermerkt werden, dass es sich hier in keiner Weise um eine Art von "Anmache" handelt, viel mehr glaube ich, dass sie ganz einfach stolz auf ihr neues Beinkleid war und das auch zeigen wollte. Immer noch unbemerkt von den anderen beiden bestätigte ich ihre Demonstration von neuer Freiheit mit einem Lächeln und zustimmenden Nicken. Einige Minuten später wies ich meine Frau dezent auf die neue Situation hin. Selbst in Unglauben, konnte meine Frau sich nicht erwehren, ihrerseits einen Kontrollblick zu tätigen. Mittlerweile war die Wirkung des Alkohols auf die Dame so weit fortgeschritten, dass sie nun ungeniert und mit sichtlicher Freude wiederholt ihre Beine übereinander schlug, wobei der Rocksaum immer weiter nach oben rutschte und der Gehschlitz eindeutige Blicke auf die bestrumpften Schenkel zuließ. Am Rande sei gesagt, dass ihr eigener Mann das ganze Spektakel erst wesentlich später realisierte, nachdem wir ihn zu dritt auf die Augenweide aufmerksam gemacht hatten. Wie bei Frauen meist üblich, ging man etwas später den Weg zur Toilette gemeinsam. Da die Toiletten im 1. Stock des Hauses liegen, muss man dort eine recht steile Treppe erklimmen. Der kurze Rock der Dame gab dabei einen ungehinderten Blick auf den Schenkel-Strumpfrand Kontrast frei. Das muss noch mehr Besuchern der Lokalität aufgefallen sein, denn als die beiden Damen die Treppen wieder hinabstiegen, konnte man so manche drehenden Köpfe beobachten, die wahrscheinlich schon beim hinaufgehen einen Blick erhaschen konnten. Danach berichtete mir meine Frau, dass sich die Dame ihr offenbart hatte. Nun musste ich meine Vermutungen etwas relativieren. Zwar hatte ich einen Strumpfrand gesehen, jedoch war es kein Strumpf, sondern eine Straps-Strumpfhose, die man zur Zeit immer noch im Angebot der lokalen Tchibo-Filialen kaufen kann. Nach den Angaben der Dame, hatte sie sich gleich 5 Paar der Straps-Strumpfhosen gekauft und war auch recht begeistert davon. In meinem Verständnis noch nicht ganz das Wahre und bestenfalls eine Übergangslösung, ist die Straps-Strumpfhose in Kombination mit dem relativ kurzen Rock jedoch ein Quantensprung für die Dame und lässt auf mehr hoffen.

War ihr das neue Gefühl von Weiblichkeit und Freiheit zu Kopf gestiegen? Die Verwandlung hatte sich sicher vollzogen. Hoffentlich hält sie an.

 Der Gerätewart