Eine einprägsame Begegnung

 

 

 

Ich kam an dem Tag, um den es in dieser Erzählung geht, am frühen Nachmittag nach Hause. Mit „nach Hause“ meine ich mein Apartment in der Nähe der Speicherstadt; ein umgebautes Loft, geteilt durch entsprechend hohe Wände, die den ehemaligen Werkstattraum einer Seilerei trennen. Dieses feudale Refugium konnte ich mir schon geraume Zeit leisten, seit ich per Zufall als Schülerin der internationalen Sprachenschule einen Ferienjob suchte und auf einen Begleitservice stieß. Dieser entpuppte sich nach und nach als eine Einrichtung mit allerlei Möglichkeiten. Kurzum, der Begleitservice lässt einer jungen Dame die Wahl, zugänglich oder verschlossen zu sein – je nach Belieben und Gefühl, welches  einen unweigerlich begleitet, wenn Frau sich mit einem „Date“ trifft.

Kurzum, an diesem Tage betrat ich meine Wohnung, todmüde vom letzten Auftrag der Agentur,  so nannten die Mädchen die Zentrale; und ich zog mich gleich im Gang aus und steckte  Alles in die Wäsche.

Nach einer entspannenden Dusche und einem guten Glas Veltliner ging ich meine e-mails durch -  prompt fiel mir eine Nachricht von einem unbekannten Herrn auf. Es war eine Einladung. Offensichtlich eine Besondere, da eine unmittelbare Bestätigung für den  Erhalt der e-mail verlangt wurde und die Möglichkeit einer Absage kategorisch ausgeschlossen wurde. Der Hinweis auf mein Bankkonto, dass ich überprüfen solle, kam zum Schluss. Und siehe da, tatsächlich waren € 100 auf meinem Konto eingegangen.

Die Adresse war aus Blankenese – ein so genanntes gutes Viertel – immerhin. Woher hatte der Mann meine Adresse und e-mail ?  Ich empfing nie Besuch in meiner Wohnung. Diese sollte meine persönliche  Zuflucht bleiben.

Die Einladung war für ein Essen mit einem „möglicherweise“ erotischen  Ende!

Na ja, ganz schön mutig für Blankenese!

Ich beschloß hinzugehen, obwohl ich abgespannt war und es noch am gleichen Abend  stattfinden sollte.

Ich duschte und legte anschließend meine Kleidung zurecht. Für ein vornehmes Viertel muss auch eine elegante Kleidung her – so dachte ich. Ich nahm mein beigefarbenes Kostüm mit der taillierten Jacke aus dem Schrank, dazu die braunen Pumps,  welche mit Rohseide überzogen waren und wirklich edel aussahen. Die passende Handtasche vervollständigte meinen Auftritt.

Ein beiger G-String und BH mit Spitzen vervollständigten meine Vorbereitungen. Nach der Toilette und einem dezenteren Make-up als sonst, zog ich mich an. Die Strumpfhose wählte ich in einem helleren Braunton, ich wollte keinesfalls für eine leichte Dame gehalten werden. Eine Perlenkette (von einem Gönner) rundete das Bild einer Dame der Hamburger Gesellschaft ab. Die hohen Absätze irritierten mich, hatte ich doch in den letzten Tagen nur halb hohe Schuhe getragen, aber nach wenigen Schritten fühlte ich mich doch wieder wohl und sicher. Die Strumpfhose war glatt und beim Gehen rieben sich die Oberschenkel angenehm aneinander.

Ein letzter Blick  in den Spiegel überzeugte mich, ein echter Vamp zu sein. Die Haare schneckelten sich richtig – ein kleiner Teufel in Engelsgestalt.

Die Taxifahrt dauerte eine Ewigkeit an diesem Tage – so gespannt war ich. Das ich ein persönliches Risiko eingehe und die Agentur immer alle Adressen  und Personen überprüfte, kam mir nicht in den Sinn – dazu war ich zu neugierig. Das Taxi hielt in einer  vornehmen Straße, rechts und links blühten die Zierkirschen, die als kleine kugelförmige Bäume die Wege säumten.

In der Straße angekommen, sah ich mich erst mal um. Es war eine kleine Allee, beidseitig der Straße lagen die Villen versteckt hinter großen Hecken und weißen Zaunfeldern, die Wege lagen verlassen im fahlen Mondlicht. Wenn sich jetzt noch eine Wolke vor die schmale Mondsichel schiebt, dachte ich, wird die Nacht wirklich nachtschwarz.

Das Haus strahlte mit seinen beleuchteten Sprossenfenstern ein herrschaftliche Ruhe aus, die mich  magisch anzog.

Ich musste nur kurz warten, nach dem ich geläutet hatte. Ein Herr, sehr gepflegt mit grau melierten Haaren, Mitte 40, öffnete mir die Tür. Bevor ich etwas sagen konnte, bedeutete er mir einzutreten und abzulegen. Sein Rasierwasser roch gut, aber irgendwie fordernd  wenn nicht gar aggressiv.

Ich drehte mich um meine Achse auf den Zehenspitzen, um meine Beine zur Geltung zu bringen (fast alle Männer sehen einer Frau bei der ersten Verabredung  auf die Beine). Wie ich zum Stillstand kam, hielt mir der Gastgeber zu meiner Überraschung  einen Zettel vor die Nase. Auf dem standen drei Frauennamen: Beate, Chantalle und Yvonne. Ich sollte mir einen Namen für diesen Abend aussuchen, dies gehöre zu den Spielregeln dieser Einladung. Verwirrt entschied ich mich für Chantalle, und betrachtete im Vorübergehen die schönen, postmodernen Bilder im Entree.

Ich wurde aber von dem Hausherrn, der einen grauen Seidenanzug trug, nicht in das Wohnzimmer geführt, sondern gleich die Treppe aufwärts. Ich dachte bei mir, der kommt aber schnell zur Sache. Hunger hatte ich auch – in der e-mail stand etwas von einer Essenseinladung und ich hatte immer Hunger, wenn ich nervös war. Dies war aber nicht die einzige Überraschung des Abends.

Hugo, so wollen wir den Gastgeber in dieser Geschichte einfach nennen, öffnete mir eine Tür, hinter der sich ein Ankleidezimmer verbarg. Eine angelehnte Tür führte zu einem Bad. Hugo fragte mich nach meiner Schuhgröße und Konfektion. Ein abschätzender Blick und er verschwand.

Nach ein paar Minuten kam er mit einem dunkelroten Satinkleid, ebensolchen Schuhen mit breiten, hohen Absätzen  zurück. Er zeigte mir in einer Schublade die dazu gehörige Unterwäsche, die ich tragen sollte. Mit dem Hinweis, das Essen sei  in einer knappen halben Stunde fertig und ich möchte mich doch anlassgerecht kleiden, verschwand er.

Ich zog die Schublade auf und nahm die einzelnen Teile heraus, unter der Wäsche lagen zwei Strumpfpackungen. Das erste Stück war ein hüfthohes Mieder zum Hacken mit Strapse und Stäben. Es musste ein Sammlerstück sein, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Der BH entpuppte sich als Büstenhebe, beides in sündigem Schwarz. Der Slip war spitzenbesetzt, geschnitten fast wie ein String, aber breiter. Zögernd zog ich mich aus, streifte die mir vertraute Strumpfhose ab und ließ mich auf diesen Abend ein.

Das Mieder fühlte sich auf der Haut kalt und steif an, ich schloß die Hacken an der Seite einen nach dem anderen. Das strechartige Material schmiegte sich immer mehr an meinen Körper und modulierte meine Taille.  Die eingesetzte  Spitze des Mieders formte eine bogenförmige Raute auf meinem Bauch – so etwas hatte ich bisher nur auf alten Vintagefotos gesehen, aber nie selber getragen.

Im Spiegel betrachtete  ich mich – für ein schmales Kleid bestimmt nicht schlecht. Der Gürtel ging von meinem Beinansatz bis über die Hüfte, die Stäbe spürte ich am Anfang, später gewöhnte ich mich daran. Die Strümpfe aber waren eine kleine Sensation, so etwas Glattes und  Glänzendes hatte ich noch niemals getragen; sie gaben kaum nach, aber das Gefühl war unbeschreiblich. Die Befestigung an den Metallklammern war ganz einfach und die Nähte der Nylons saßen nach mehreren Versuchen auch gerade. Strapse hatte ich schon einmal probiert, aber nicht ernsthaft als ständiges Kleidungsstück in Erwägung gezogen. Das Gefühl der Büstenhebe war ebenfalls unbeschreiblich – meine Brust wurde angehoben und streckte sich gleichzeitig von mir weg – einfach merkwürdig. Nachdem ich das Kleid und die hohen Pumps angezogen hatte, überprüfte ich meine Frisur und Make up. Das Kleid war oben anliegend und trapezförmig dekolletiert, unten war es leicht ausgestellt und der Rockteil war in Falten gelegt, leicht ausschwingend. Die Dreiviertelärmel gaben ihm einen etwas eleganteren Anschein, auf einer Cocktailparty würde ich damit sicher auffallen. Ich fühlte mich fremd in dieser Aufmachung und doch genoss ich sie. Ich fand mich irgendwie sehr begehrenswert und doch wie eine Hure.

Das steife Mieder störte mich nur am Anfang –es war eng und anschmiegsam – wie eine Rüstung, die mich schützte, vor dem was da kommen mag.

Hugo erwartete mich am Ende der Treppe, die bogenförmig sich in das Erdgeschoß öffnete – das Haus war aus den späten Fünfzigern, wie auch das Mieder, dass ich trug. Aus dem Wohnzimmer erklang Frank Sinatras  „strangers in the night“ –etwas klischeehaft, aber durchaus stimmungsvoll und passend. Ich wurde in das von Kerzen erleuchtete Wohnzimmer geleitet, zwei Gläser Champagner standen auf einem polierten Silbertablett. Ich nahm Platz auf dem angebotenen Sessel und schlug die Beine übereinander – die Nylons fühlten sich knisternd und zugleich glatt an. Jetzt erst bemerkte ich die Wärme im Raum und - die Nacktheit zwischen meinen Schenkeln.

Hugo stieß mit mir an und wir tranken die Gläser in einem Zug aus. In Erwartung der weiteren Dinge des Abends stand ich nervös auf und wollte ein paar Schritte  auf und ab gehen – aber Hugo bestand darauf, dass ich ein Bein vor ihm auf einen Sessel stellte. Dann legte er einen Arm um meine Taille und strich mir über die Hüften – ein merkwürdig vertrautes Gefühl beschlich mich. Seine andere Hand erforschte aber meine bestrumpften Schenkel bis dahin, wo die Strümpfe endeten. Er scheute sich auch nicht, die restlichen Zentimeter zu meinem Schoß zu ertasten. Jetzt war mir klar, warum Männer es schätzen, wenn Frauen wie ich gut eingepackt, fast sittsam erscheinen, aber zugleich gut zugänglich sind. Diesem Reiz kann sich wohl niemand entziehen – ich kann es bis heute nicht. Ich lächelte ihn dabei an und fragte, ob das seine persönliche Phantasie ist oder ob dies nur ein Rollenspiel aus einer Laune heraus sei. Eine Antwort erhielt ich nicht.

Nachdem er mich intensiv zwischen meinen Beinen gestreichelt hatte, ließ er meine Taille los - gerade als ich begann,  mich nach einer endenden Erfüllung zu sehnen.

Das Essen bestand aus drei Gängen, für mich einfach zu viel – so dass ich das Dessert stehen ließ und lieber noch ein Glas Rose’ trank. Ich dachte mir, jetzt wird es Zeit,  Deinen Gastgeber zu verwöhnen und stand auf,  um Hugo zu zeigen, was ich unter dem Kleid trug.

Aber zu meiner Überraschung bedeutete  mir mein Gastgeber, dass der Abend vorbei sei und mein Taxi vor der Türe warte. Die Wäsche und das Kleid möge ich als Erinnerung behalten – vielleicht sähe man sich wieder.

Daheim betrachtete ich mich im Spiegel, nachdem ich das Kleid abgelegt hatte -  Hugo ging es wohl nur darum, mir ein absolut weibliches Gefühl zu geben. Diese  Gewissheit war wohl auch sein Genuß. 

Ogami