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Epilog
Der geneigte Leser dieser Begebenheit aus dem 23.
Jahrhundert wird aus heutiger Sicht sicherlich nicht in der Lage sein,
die Lebensweise der damaligen Epoche gefühlsmäßig nach zu empfinden;
vielleicht aber versteht er nach der Lektüre der nachfolgenden Erzählung
aus der guten alten Zeit die Art und Weise zu Leben. Tauchen wir ein in
ein Leben jenseits vom Geschlechtswechsel und Genaustausch –
die gute alte Zeit mit ihren Rollenspielen war reizvoller, als
wir es wahr haben wollen und unsere Staatsdoktrin glauben machen möchte.
Der Urlaub
Der Farbton der Lichtuhr des Büroraumes änderte
sich sanft von Pastellrot in Dunkelrot - Zeit, die Arbeiten des heutigen
Tages abzuschließen. Lee schloss die Datei des noch laufenden Programms
und schickte sich an, die vorgeschriebene Datensicherung an die Zentrale
des Komitees für Gesellschaftliche Verantwortung zu senden. Draußen
hob das Summen der Lufttaxis an – rushhour. In den Büros unterhalb
und seitlich hob ein Aufräumen und Lärmen an – die Glasböden- und wände
gestatten rundherum und jederzeit einen Blick in die intime Welt der
Kollegen. Plötzlich blinkte der Bildschirm des videophones mit stillem
Alarm auf – wer mochte so spät am Abend noch anrufen? Schließlich
war Dienstschluss und Theresa auf einem meeting. Da fiel ihm ein, dass
er in der Mittagspause den Urlaub buchen wollte und er sich nicht
entscheiden konnte. Daher hatte er das nette
Mädchen des Reisebüros gebeten, verschiedene Vorschläge zu
machen. Theresa ließ sich immer überraschen und überließ in diesen
Fragen oft Lee die Entscheidung.
Auf dem Bildschirm erschien der Kopf der Reiseberaterin – merkwürdig,
der hellviolett gefärbte Bubikopf von ihr stand im ungewöhnlichen
Kontrast zu ihren Gesichtszügen. Heute Mittag sah sie doch ganz anders
aus? Aber egal – Lee schaltete die Sprache an und erwiderte den Gruß.
„ Guten Abend, Mr. McEntree, ich hoffe, es ist noch nicht zu spät für
ein Beratungsgespräch und Sie haben noch etwas Zeit für mich und Ihre
Urlaubsplanung!?“ – man konnte förmlich den Kommunikationstrainer
durchhören, begann sie ihr Gespräch. Schade – etwas mehr Charme in
der Stimme hätte ihr nicht geschadet. Der Kamerawinkel weitete sich und
die pinkfarben bestrumpften Beine von Mrs. Clover rückten in den
Mittelpunkt. Eine ganz schön billige Masche – dachte er sich bei
sich. Frauen sind im acount doch immer im Vorteil – wenn auch nur bei
männlichen Gesprächspartnern.
„ Mr. McEntree, ich habe für Ihre Gattin und Sie
drei hervorragende Angebote gefunden! Sie werden überrascht sein, was für
Möglichkeiten auf dem 2. Planeten des äußeren Systems seit dieser
Saison angeboten werden! Alle Angebote sind im Adventurebereich
angesiedelt. Waren Sie schon einmal auf einem Adventureurlaub?“ „
Was haben Sie denn für mich – machen Sie es nicht so spannend!
Allerdings muss ich Ihnen sagen, das meine Frau nicht auf Abenteuer im
Aktion- oder Safaribereich steht – wir hatten da schon etwas trübere
Erfahrungen!“ gab Lee zur Antwort und ließ via Bildschirm die drei
Angebote visualisieren. „ 2340 Credits pro Person und Woche ist aber
ganz schön heftig“ stieß er aus und wollte schon das Gespräch in
der Absicht beenden um am nächsten Morgen eine andere Agentur
aufzusuchen. Mrs. Cover erschien wieder auf dem Bildschirm, diesmal
versteckte sie ihre Beine unter dem Schreibtisch und setzte ihr
bezauberndstes Lächeln auf, das sie aufbieten konnte:
„ Das erste Angebot ist ein Hotel in der Renaissancezeit – ein
echter Feger, da sollte man gewesen sein!“ begann Mrs. Clover ihr
Verkaufsgespräch. „Alle Aktionen sind lebensecht und Sie als Gast können
sich so richtig ausleben!“ „Renaissancezeit? – wann soll das den
stattgefunden haben?“ fragte Lee argwöhnisch. „ Das ist die Zeit um
das 16. Jahrhundert auf der Erde – ein echtes highlight!“
replizierte die Reiseberaterin um sogleich das nächste Angebot in den
Mittelpunkt zu stellen. „Moment“ anwortete Lee schnell, „ wie
sieht es in dieser Zeit mit dem Komfort aus!?“ Mrs. Clover beeilte
sich, die Beschreibung auf den Bildschirm von Mr. McEntree zu laden und
antwortete: „Der Komfort entspricht
genau der Zeit; die Kleidung wird gestellt und Sie bewegen sich
den ganzen Tag über und die Nacht in einer spätmittelalterichen
Stadt mit Dörfern in der Umgebung.
Als Gag können Sie natürlich auch ein Duell buchen –
allerdings sollten Sie dann körperlich fit sein!“ „Wie ist es mit
wellness !?“ – Mrs. Clover schien einen Moment zu stutzen, musste
aber dann lachen:
„Mr. McEntree – waren Sie schon einmal auf einem Campingplatz in
Bangladesch?“ Von Freunden hatte Lee schon davon gehört – man ließ
sich vom Touristenraumer absetzen und wurde nach 14 Tagen wieder
abgeholt – wenn man dann noch lebte. Garantien gab es von den
Veranstaltern sowieso nicht, Haftungsrechte waren bei den meisten
Billiganbietern sowieso ausgeschlossen. Und bei exotorialen Zielen gab
es auch wenig Erholung – dafür aber umso mehr Streß. Vielleicht für
Bürohengste geeignet, aber sicherlich nicht für Frauen vom Typ
Theresa.
„Das ist sicherlich nicht das Richtige für uns – was haben Sie den
noch ausgegraben?“ fragte
McEntree und sah dabei etwas gelangweilt aus. „Dann versuchen Sie es
doch mit folgendem Angebot: „Power Flower „ in den späten
Sechzigern – erleben Sie das Woodstock Festival. Die Rockbands sind
authentisch und die Atmosphäre gigantisch. Übrigens – die Frauen
damals haben gerade Dank der Einführung der Pille ihre sexuelle Unabhängigkeit
erreicht – sie wissen was ich meine?! Ich war selber letztes Jahr da
– sehr zu empfehlen!“
„Das fehlte mir noch“ gab Lee mit einer knurrigen Antwort von sich,
Theresa war sowieso schon viel zu eifersüchtig. Neulich, im Lokal „Animal
Enterprise“ hatte sie fast Krach geschlagen wegen der Bedienung. Die
sah zwar wirklich gut aus, war aber Remoluanerin, die hätte sich
sowieso auf nichts eingelassen „Haben Sie nichts Romantisches,
vielleicht etwas im 18. Jahrhundert?“ bohrte er nach und beschloss
nach dem nächsten Angebot die Suche für den heutigen Tag zu beenden.
Die Beraterin spitzte die Lippen und lächelte: „Das beste Angebot
habe ich für Sie bis zum Schluss aufgehoben. Allerdings haben wir noch
keine Erfahrungen mit der Anreise, es ist 233 Parsec entfernt. Aber es
soll sich lohnen! Alle Komparsen sind echt – keine Bedienung und kein
Passant, der ein Replicant
ist. Es soll dadurch viel lebensechter sein – schon allein wegen der
Musikszene, die man dort antrifft!“
„233 Parsec?“ fragte Lee erstaunt, „Wo befindet sich das denn? Der
Reisepreis muß wegen der Entfernung sehr hoch sein?!“ „Keineswegs,
der Preis wird von der Handelsföderation subventioniert – das Ressort
gehört zur Holy Day Inn Gruppe, nennt sich „The Fiftiees“ und
befindet sich auf Titan II, Sternbild der Pleaden“ verkündete Mrs.
Clover mit der Gewissheit, den Kunden geködert zu haben. „Übrigens,
alle Touristen werden stilecht eingekleidet und es gibt eine
hervorragende Küche – kein Essen aus der Genproduktion – die haben
sogar lebende Fische für
die Restaurants!“ schloss sie und Lee gab sich geschlagen. „Also
gut, senden sie mir den Kontrakt per e-mail – ich werde ihn bestätigen.
Vielen Dank für Ihre Mühe!“ Mrs. Clover verabschiedete sich und der
Bildschirm wurde dunkel.
Lee wachte auf, irgendetwas hatte er gehört. Tatsächlich,
er hörte wie Theresa die Tür hinter sich schloss und hereinkam, ihre
einer Toga ähnlichen Überwurf ablegte, die Schuhe auszog und zu
ihm kam. Er schlug die Augen auf und sagte: „Na, wie war’s,
Liebling?“ . Theresa setzte sich ihm gegenüber auf das Sofa und
antwortete: „Sehr anstrengend, aber interessant. Bin gespannt, ob der
Vertrieb das wirklich umsetzen kann, was die uns heute vorgestellt
haben.“ „Was denn?“ fragte Lee zurück ohne eigentlich
interessiert zu sein, was seine Frau am heutigen Tage
wieder in der Firma an Intrigen oder Klatsch gehört hatte.
„Ein neues Wohn- und Lebenskonzept; Wohnen und Arbeiten wie in der
guten alten Zeit!“ antwortete Theresa lachend und zog ihren
Strumpfbody aus. Nur mit Slip und Büstenschalen bekleidet, schickte sie
sich an, am laptop das Abendessen zu bestellen. „Was möchtest Du
heute Abend?“ fragte sie geflissentlich. Lee sagte etwas abwesend
„Ich habe übrigens unseren Jahresurlaub gebucht – ich hoffe es gefällt
Dir!“ „Super! – wohin geht es diesmal?“ Theresa schien ehrlich
interessiert. Lee schaltete die Verdunkelung der Glasfront ein und das
Lichtermeer der Stadt mit all seinen sich bewegenden Luftfahrzeugen, die
wie wild gewordene Glühwürmchen ihr Gitterwerk zogen, verschwand
hinter den pastellfarbenen Lamellen. „In ein neues Ferienressort, „The
Fifitiees“, ein Holly Day Inn Haus!“ Theresa schaute erst ungläubig
– dann sprang sie mit einem Schrei zu Lee auf das Sofa und umarmte
ihn. „Was habe ich jetzt wieder angestellt“ fragte er seine Frau und
strich ihr über die brünetten Haare. „Das ist genau dieses Projekt,
für das wir die Werbung konzipieren sollen!“ lachte sie und
fragte „Wie bist Du daran gekommen?! Es ist doch noch gar nicht
offiziell!“ Lee dachte bei sich, da ist der Hund also begraben!
„Hast du eine Vorstellung, wie teuer das ist, dort zu wohnen! Die
Woche kostet locker 3900 Credits! Moment mal – Du hast schon
gebucht?!“ Theresa überlegte kurz: „es kann natürlich sein, dass
sie in der Testphase einen verbilligten Preis anbieten – vielleicht
funktioniert noch nicht Alles!“ Sie boxte spielerisch ihren Mann und
kugelte sich mit Lee am Boden. „Wir werden uns vor dem Start noch ein
bisschen informieren – dann sind wir nicht ganz so überrascht!“
antwortete er zerstreut. Wenn er nicht so voreilig gewesen wäre!
Am Tag der Abreise flogen die McEntrees vom Dach
ihres Habitats mit einem speedair zum Raumhafen von New York – das Fluggerät benötigte gerade mal zwölf Minuten um das
Terminal zu erreichen. Der Transfer zu Orbitalstation war ungewohnt
ruppig - die Beschleunigung
lag deutlich über 3 G, eigentlich ein Grund zu reklamieren. Lee verstieß
diesen Gedanken jedoch schnell wieder, da Theresa ihm sicherlich wieder
nur vorhalten würde, den Juristen herauszukehren. Der Ausblick auf den
blauen Planeten und den Mond entschädigte dafür aber beide: „Diesen
Anblick werde ich sicherlich niemals in meinem Leben vergessen!“ sagte
Theresa zu Lee und schmiegte sich an ihn.
„Der lift off für die Passagiere für den Flug
zu Titan II bitte zu gate 22 -
dies ist der letzte Aufruf“ gab eine eindringliche Stimme
mit sonorem Unterton bekannt. „Komm!“ sagte Lee und gemeinsam
betraten sie die Kabine des Raumers. Die meisten Gäste lagen schon in
ihren Schlafcontainern, die alle Körperfunktionen während des
Tiefschlafes computergesteuert
überwachten. Sie verabschiedeten sich voneinander und bestiegen ebenso
die ihnen zugewiesenen Behälter. Sobald sich die durchsichtigen Hauben
über den Körpern hermetisch geschlossen hatten, spielten die Computer
über das Bordsystem jedem Tourist die Informationen über sein
Reiseziel vor. So wurde jeder Reisende über sein Ziel aufgeklärt und
mit den Bedingungen vertraut gemacht.
Die Lifttüren öffneten sich und nach einer
letzten Retinakontrolle betraten Theresa und Lee
das Entree des „The Fiftiies“. Die
Menschen waren fremdartig gekleidet – die Männer trugen
Hosen und Jacken in gleicher Farbe, meist in Schwarz oder tiefem
Grau; manchmal mit schmalen Streifen, die sich im Stoff zu verstecken
schienen. Dazu ein weißes Hemd und zumeist
Stoffbänder, die von ihrem Hals geknotet herunterhingen.
Aber was für ein Anblick stellte sich erst bei den Frauen dar: sie
schienen der Mittelpunkt dieser Gesellschaft zu sein, um die sich Alles
drehte! Sie trugen entweder schmale lange Röcke oder weit aus
schwingende Kleider, die oben schmal und die Figur betonend, die Brüste
zur Geltung brachten. Die Farben waren bunt und gemischt, ab immer gut
aufeinander abgestimmt. Die Schuhe der Damen waren hoch und die Absätze
hallten in dem weiten und hohen Foyer, quasi als
Rhythmus zu dem Stimmengewirr, welches das ganze Panorama einhüllte.
Die Kolorierung der Räume
war gedämpft und die Linien weich – die Materialien waren
zweifelsohne der Natur entnommen.
Für Synthetik hatte man hier offensichtlich keinen Sinn. Unser Paar
gelangte zum Empfang und wurde von einem Herrn in einer Art Uniform begrüßt:
„ Mrs und Mr. McEntree?! Schön Sie bei uns begrüßen
zu dürfen – wir geleiten Sie gleich zur Einkleidung, Sie wollen ja
sicher nicht unangenehm auffallen?“ eröffnete der Concierge das Gespräch
und winkte einen Pagen herbei. Theresa wurde von ihm zu einer Tür
gebracht, hinter der sich ein kleiner Saal verbarg. Im Raum liefen geschäftig
mehrere ältere und jüngere Damen umher und bedienten offenkundig neu
angekommene Touristinnen. „Haben Sie schon ein Kostüm ausgewählt?“
fragte ein stark dekolltiertes Mädchen und schickte sich an, Theresa
verschiedene Modelle zu zeigen „Passen die Sachen mir überhaupt?“
fragte Theresa und wählte
ein Kleid mit einem kleinen Jäckchen aus, beides in einem dunklen,
himbeerfarbenen Ton. „Kein Problem, Mrs. McEntree, wir wählen alle
Kleidungsstücke und Dessous nach Ihrem holographischen Bild aus; da
sind auch alle Maße enthalten! Wunderbar!“ lobte ihre Beraterin:
„Jetzt wählen wir noch die passende Handtasche, Pumps, Handschuhe und
Hut aus!“ Theresa protestierte: „ Ich zieh doch nicht das alles an,
ich bin doch kein Modell!“
„Sie werden sich anpassen müssen – wir leben hier in den Fünffzigern
des 20. Jahrhunderts auf Terra ; es herrschen hier auch die
gesellschaftlichen und modischen Regeln dieser Zeit“ erklärte die
junge Dame, die sich mit dem Namen Patricia vorgestellt hatte. In ihrer
Phantasie hatte Theresa sich diesen Urlaub anders ausgemalt
– ihrer Meinung nach war das Ferienambiente schön anzuschauen,
aber sich einfügen und „mitspielen“, wie sie es insgeheim nannte,
hatte sie trotz aller Neugier und Vorfreude nicht vor.
Nach ihrem anfänglichen Protest fügte Theresa sich und folgte Patricia
in einen weiteren Raum mit Umkleidekabinen. „Um diese eng anliegende
Kleidung tragen zu können, ist es nötig, bestimmte Unterwäsche zu
tragen“ erklärte eine ältere Dame, die
ein ausgestelltes, getüpfeltes Kleid trug. Sie drehte sich um
ging zu einem Regal. Was war denn das?
- wunderte sich Theresa – an den Beinen liefen dünne schlanke
Linien hoch. Patricia nahm für Theresa einen Karton mit einem
Blumenemblem entgegen und steuerte geradewegs eine Umkleidekabine an.
„Ich zeige Ihnen jetzt, wie man diese Dessous anlegt und trägt!“
sagte Patricia und öffnete den Karton.
Theresa legte den Mikrofaseranzug ab und zog die flachen sneakers
aus – die ihr so
vertrauten Büstenschalen wanderten ebenfalls in einen Wäschekorb.
Patricia packte die Unterwäsche aus,
zuletzt nahm sie ein Päckchen aus Zellophan heraus: „Das sind
die Strümpfe - man muss auf sie ziemlich aufpassen, sonst gibt es
Laufmaschen!“ lachte sie und gab Theresa als erstes einen schwarzen Büstenhalter.
Theresa zog ihn an und ließ sich die Hackenleiste im Rücken von ihrer
Helferin zuhacken. Sie spürte, wie die Brust angehoben und fest
umschlossen wurde – bei einer Bewegung würde die Schwerkraft sicher
nichts verändern. Dann gab Patricia Theresa das Hüftmieder, –
durch die eingearbeiteten Stäbe lag es schwer in der Hand und fühlte
sich fremdartig an. „Es muss ganz fest anliegen, sonst rutschen die
Strümpfe und man kann sich nicht sicher auf der Straße bewegen“ erklärte
die Helferin und schloss das
Mieder Hacken für Hacken zu. Theresa hielt die Luft an,
so ein Kleidungsstück hatte sie noch nie an sich gespürt –
bisher wusste sie gar nicht, dass Frau ihre Weiblichkeit so in dass
eigene Bewusstsein rücken konnte. In der Welt, aus der sie kam, waren
nur Hosen oder Umhänge üblich- die Frauen trugen zuweilen bodies aus
einer Mikrofaser, hohe Absätze waren von der Gesundheitskontrolle
verboten. Die Strümpfe erwiesen sich für Theresa als regelrechte
Herausforderung – Patricia hob ihren petticoat und den weiten
Tellerrock und zeigte ihr, wie die Strumpfhalter befestigt sein müssen.
Die hohen Absätze der
Pumps zwangen Theresa regelrecht zu Übungsschritten, aber bald hatte
sie das Gleichgewicht gefunden und konnte sich sicher bewegen.
Zwei Stunden später, nach dem Friseur und dem Kosmetikstudio betrat
eine völlig andere Mrs. McEntree die Straße vor dem Hotel. Es begann
schon dunkel zu werden und ein kühler Wind strich um die bestrumpften
Beine von Theresa – diese Kleidung erschien ihr nicht unbedingt bequem
oder alltagstauglich. Aber auf der Straße bewegten sich alle Frauen in
ähnlicher Kleidung oder besser Verkleidung. Sie hatte sich mit Lee in
einer Bar um die Ecke verabredet und suchte nach einer passenden
Gelegenheit, die Straße zu überqueren, denn ein lärmendes Auto nach
dem Anderen fuhr Stoßstange an Stoßstange vorbei – dabei stießen
sie Wolken von blauem Dampf aus, die furchtbar stanken. Theresa erfuhr
später von Lee, dass diese Autos tatsächlich noch von Benzin
angetrieben wurden.
Als sie das Lokal betrat, es war aufgrund einer gebogenen Glasscheibe,
durch die das Licht gelblich schien und an einer Straßenecke lag,
leicht zu finden, richtete sich ihr Blick gleich auf Lee. Er trug einen
Nadelstreifenanzug mit Weste, dazu ein weißes Hemd und eine gestreifte
Krawatte. Ein breitkrempiger Hut lag neben ihm auf dem Tresen.
„Liebling, Du siehst phantastisch aus!“ sagte Lee anerkennend und küsste
seine Frau auf die grell rot geschminkten Lippen. Bevor sie antworten
konnte, räusperte
sich der barkeeper: „T’schuldigung, knutschen in der Öffentlichkeit
ist nicht schicklich!“ und stellte den Drink von Theresa vor ihr auf
den Tresen. Theresa kletterte umständlich auf den Barhocker – der Hüfthalter
und der ungewohnt enge Rock zwangen sie dazu.
Als sie Platz genommen hatte, schlug sie die Beine übereinander und
wandte sich an ihren Mann: „Fühl mal, diese Strümpfe sind
phantastisch, mein Schatz!“ Lee streichelte daraufhin ihre glatten,
langen Beine und meinte „Lange bleiben wir hier nicht – wir müssen
doch noch unsere Sachen auspacken!“ „Nein“ antwortete Theresa,
„Wir müssen morgen neu einkaufen, hast du die tollen Modeläden
gesehen?“, überprüfte kokett im Handspiegel ihre hochgesteckten
Haare und den Sitz des kleinen, frechen Hutes, welcher mit schwarzem Tüll
garniert war. Lee bezahlte mit vier greenbackes
und ließ Theresa vor sich aus dem Lokal gehen. Die Nahtstrümpfe
an ihren Beinen knisterten bei jedem Schritt und erinnerten ihn lebhaft
daran, dass er die schlechtere Hälfte darstellte.
Lee gab dem Kellner ein Zeichen, seine Geduld war
ziemlich strapaziert, aber Theresa wollte unbedingt zu Abend Essen gehen
und auf der Flaniermeile gab es unzählige Restaurants mit verführerischen
Angeboten. Sie hatten noch nie eine Speisekarte mit einer solchen
Auswahl gesehen und alle Speisen stammten nicht aus der Retorte!
„Uff“ sagte Theresa und wischte sich nach dem herrlichen Dessert den
Mund ab „Jetzt bekommst Du noch ein besonderes Dessert, mein Liebling!
Nämlich mich!“ Theresa hatte ihren rechten Schuh ausgezogen, denn die
Tischdecken fielen in schweren Falten bis auf den Fußboden und so
konnte man unmöglich sehen, was sich während eines fulminanten
Abendessens sich noch so alles zutragen konnte. Lee spürte ihren
glatten, bestrumpften Fuß zwischen seinen Beinen und er bekam
unweigerlich das Bedürfnis, seine Frau aus diesem Lokal zu entführen.
Das Hotel, dass beide
gebucht hatten, lag in einer Seitenstraße fernab vom Großstadtgetriebe,
im Foyer händigte ihnen ein Portier mit glänzend öligen Haaren den
Schlüssel aus. Die Treppe stöhnte unter ihren Schritten – dieses
Haus wirkte nicht anheimelnd. Aber Lee war es in diesem Moment egal und
Theresa nahm es gar nicht wahr.
Die Beiden betraten das Hotelzimmer und Lee konnte es kaum erwarten,
seine Verführerin in die Arme zu nehmen und die Umarmung ihrer
Schenkel zu spüren. Er zog
langsam den Reißverschluss in
ihrem Rücken auf und wunderte sich über den kompakten Büstenhalter,
der in sündigem Schwarz ihre Brüste betonte und doch so sichtbar
versteckte. „Findest Du mich sexy?“ fragte Theresa und stellte ein
Bein provozierend auf die Bettkante, der Rockteil des Kleides rutschte
über den Strumpfansatz – Lee
sah die Strumpfbänder, die sich auf den Schenkeln spannten, fasziniert
an; ein solches Schauspiel lag bisher jenseits seiner Phantasie.
Theresa’s Mieder umschloss ihre Hüften bis zum Beinansatz; das Kleid
fiel zu ihren Füssen – grazil stieg sie aus dem Häufchen Stoff und
drehte sich um – langsam zog sie das mit Rüschen verzierte Höschen
über die Nylons und ließ es fallen. Zärtlich streichelte Lee ihre glänzenden
Beine bis hinauf zum Strumpfabschluss, der ihren Schoß betonte. Theresa
war bereit.
Ogami
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