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Aldwin trat
aus dem Elevator und verließ die Sonnen zugewandte Seite der Plattform
der Lobby, um im Dunkel des
Weltraums das kalte Licht der Sterne, die sich punktförmig am Firmament
zeigten, als wären sie mit dem Salzstreuer in das Nichts des absoluten
Schwarz verteilt worden, zu betrachten. Ein Punkt schien sich jedoch zu
bewegen – oder war es nureine Sinnestäuschung? Nein, war es nicht
– allmählich
wurde er zu einer kleinen Scheibe, schließlich nahm das sich nun
schnell vergrößernde Objekt
Konturen an. Der Orbitshuttle war eine elegante Erscheinung, gepfeilte
Tragflächen sowie einen zigarrenförmigen Rumpf; so wie man es aus den
alten Zeiten des Atmosphärenfluges kannte. Die interstellarenSchiffe
dagegen waren unförmige Gebilde, oft bestückt mit Anbauten, die wie
Warzenauf der Außenhaut klebten – Ästhetik war nicht gerade das
erste Fach der Ingenieure.
Der Shuttle
schwenkte in einem eleganten Bogen und verringerte seine Geschwindigkeit
–bis der Abstand zur Orbitalstation keine hundert Fuß mehr betrug,
als ein Greifarm vom Landungsdock sich wie von Geisterhand aufklappte
und das Schiff in das Dock zog.
Der
Handelsagent verließ die gläserne Aussichtskugel und fuhr mit dem
Elevator in das Innere der Station. Als Aldwin die Schwerkraftzone der
Station verließ, schlug die Gravitation unvermittelt zu. Es wurde im
beinahe übel – er war schon seit Monaten
nicht mehr der Schwerelosigkeit ausgesetzt gewesen.
Im Warteraum
hatte sich eine illustre Gesellschaft versammelt, einige Wenige waren
eindeutig Wochenendtouristen, die ein Pauschalangebot genutzt hatten. Lärmend
und sichtlich etwas angeheitert führten sie eine lautstarke Diskussion
über die Frage, ob man in der Schwerelosigkeit mit dem Partner intim
sein könne. Eine zierliche Blondine trug Highheels, obwohl hier im
schwerelosen Bereich nur Schuhe mit Magnetstreifen erlaubt waren. Die
Stewardess überblickte die Situation mit hochgezogenen Augenbrauen,
schritt aber noch nicht ein. Dies änderte sich, als die
Dame, sichtlich mit der Schwerelosigkeit kämpfend, sich kichernd
an ihrem Freund festzuhalten versuchte. Dies misslang ihr aber ganz gründlich
– sie fing an zu schweben und dabei verfing sich ihr weiter Rock an
einem der Haltegriffe, die von Zeit zu Zeit an der Wandung befestigt
waren. Eine Naht gab mit einem hässlichen Ton kund, dass sie nicht länger
gewillt war, der Belastung stand zu halten. Die Gesellschaft
begutachtete unter großem Gelächter die roten Strapse der Unglücklichen
– solche Unterwäsche war eigentlich für solche Reisen ungeeignet.
Das Kabinenpersonal ermahnte die Reisenden und wies auf die
Sicherheitsvorschriften hin – aber nach diesem Vorfall verlief der Rückflug
ohne weitere Störung.
Der Flug mit
dem Shuttle war, wie immer ein Erlebnis – zwei Sonnenuntergänge und
– Aufgänge innerhalb von einer Dekatriade konnte man nur bei einem
Transfer von der Orbitalstation auf Terra erleben. Das Rund des Planeten
wurde zusehends flacher, umso mehr sich das Schiff dem Planeten näherte.
Als es in die Atmosphäre eintauchte, verblasste der Horizont und wurde
diffus, dann milchig und heller und heller – die Luft nahm an Dichte
zu und die Farben gewannen an Intensität.
Polternd
landete der Shuttle auf dem Runway und rollte zu der Passagierbrücke.
Aldwin beeilte sich, sein spärliches Gepäck in Empfang zu nehmen, um
schnellstens in die Stadt zu kommen. Vor dem Flughafengebäude wurde
Aldwin von einem Mann mittleren Alters angesprochen:
„Mr. Aldwin
McPekinpah?“ – die schottische Abstammung konnte Aldwin unmöglich
verbergen. „Meine Name ist Chris – ich bin Ihr Fahrer oder besser
Pilot. Ich habe den Auftrag, Sie so schnell wie möglich in die Zentrale
der Gesellschaft zu bringen!“ Aldwin folgte ihm zu dem wartenden
Speedair auf dem Helikopterplatz. Der Auftrag, der auf ihn wartete,
schien von höchster Dringlichkeit zu sein; sonst hätte sich sein Chef
wohl nicht die Mühe gemacht, ihn abholen zu lassen.
Der Verkehr
war ungewohnt ruhig zu der Tageszeit – Chris gab zur Erklärung, dass
die Urlaubszeit in Magallan City seit einer Woche so richtig zu spüren
wäre. Für eine mittlere Stadt mit 20 Millionen Einwohnern also eine
normale Erscheinung. Aldwin hatte aufgrund seiner ständigen Reisetätigkeit
und der davor langen Stationierung im All bei den Space Marines
schon längst jegliches Gefühl für die Jahreszeiten sowie die
Lebensumstände seines Heimatplaneten und deren Bewohner verloren. Er
erlebte die Erde praktisch nur episoden-weise.
Das Speedair
bremste abrupt über einer Ansammlung von Hochhäusern, drehte sich
elegant um die eigene, vertikale Achse und senkte sich langsam auf das nächstgelegene
Dach mit einer gelb gekennzeichneten Landezone. Aldwin übernahm von
Chris sein Gepäck und betrat die Empfangshalle im obersten Geschoß. Am
Empfang wartete schon sichtlich ungeduldig der Sekretär von Mr.
Sinclair Cornwallis, CEO der kleinen, aber feinen Handelsgesellschaft für
exoterrestrische Güter und Dienst-leistungen. „Meine Name ist Colin, ich
bin der Sekretär vom Chef – er wartet schon ungeduldig auf Sie!?“
begrüßte der junge Mann Aldwin
freundlich und musterte ihn
zugleich neugierig. Von diesem McPeckinpah hatte er schon gehört –
eigentlich schon zuviel. Dieser Mann war eine Legende
- die heikelsten Missionen wurden stets ihm anvertraut und seine
Erfolge waren Firmengeschichte. „Ich würde gerne zuerst in mein
Hotelzimmer und mich frisch machen – ein neuer Anzug würde mir sicher
auch gut zu Gesicht stehen!“ antwortete Aldwin und steuerte ohne eine
Antwort abzuwarten auf den Elevator zu. “Melden Sie dem CEO, dass ich
ihn um 1700 aufsuchen werde!“ Die Türen des Aufzuges schlossen sich
vor Aldwin und mit diesen Worten allein gelassen, wandte sich Colin um
und zog geistesabwesend sein Mobil aus der Tasche, um Bericht zu
erstatten. Er wusste zwar aus der Personalabteilung, das McPeckinpah ein
Exmilitär war – aber keiner hatte ihn vorgewarnt, dass ihn ein solch
barscher Befehlston erwartete.
Am Empfang im
Hotel erhielt Aldwin seinen Zugangscode für sein Zimmer. Er war müde
und angestrengt von den vielen Leuten um sich und so beeilte er
sich, in das Zimmer zu kommen. Er schloss die Tür hinter sich
erleichtert - endlich ein Raum für sich alleine ohne irgendwelche
fremden Touristen oder andere Menschen, die einen belästigten. Er legte
seinen grauen Anzug bereit, dimmte das indirekte Licht des Raumes
soweit, dass die Konturen anfingen, weich zu werden und die dunklen
Farben ihren Charakter zu verlieren. Bevor er das Bad betrat, wählte er
mit Hilfe von i-Tunes Jazzmusik – „Beyond the Serenades“ von Till
J. Tucker aus – einer seiner Lieblingsmusiker und stellte den Sound
auf maximale Lautstärke. Nach dem er sich für das Meeting fertig
gemacht hatte, verließ Aldwin seine
Suite und ging zum Elevator. Die zylindrische Aufzugbox glänzte
metallen, die Fenster gingen vom Boden bis zur Decke; sie waren so
schmal, das kein Fahrgast einen richtigen Überblick über das Panorama
der Stadt gewinnen konnte. Da der Korb aber wie üblich an der Außenseite
des Gebäudes hing um im Innenraum Platz zu sparen, war dies wohl der
Sicherheit geschuldet. Bei einer durchschnittlichen Gebäudehöhe von
einer englischen Landmeile ein verständliches Konstruktionsmerkmal. Auf
der 246. Ebene hielt der
Aufzug unerwartet, die irisförmige Tür öffnete sich und eine Dame in
einen langen Umhang gehüllt, trat ein. Ihre dunkelblonden Haare waren
nach der aktuellen Mode kunstvoll zu einem Turm mit sich windenden
Haarsträhnen frisiert; um ihren freien Nacken lag eine dreireihiges
Perlencollier, zusammengehalten von einem großen Verschluss mit einem
turmalinfarbenen Stein. Aldwin betrachtete ihre Gestalt und hoffte auf
eine Reaktion – wie auch immer sie ausfallen würde. Sie drehte sich
zu ihm um, hob ihren Kopf und sah Aldwin geradewegs ins Gesicht,
fixierte ihn kurz und schloss für
einen kurzen Moment ihre großen, graugrünen Augen. Ihr Gesicht war
ebenmäßig, das Make up verriet jedoch, dass die Dame unzweifelhaft zu
einem Event unterwegs war. Dann warf sie mit einer kurzen Bewegung den
dunklen Umhang ab und trat mit zwei schnellen Schritten auf Aldwin zu
und legte beide Hände flach auf seine Brust: „Keine Namen, kein woher
und wohin!“ Aldwin nickte
und bestätigte sie: „Keine Namen – Mein Gott, bist Du schön!“
Die Frau drehte sich um und drückte die Stoptaste des Aufzuges: „Sie
werden es im Facility office nicht
gleich bemerken, dass die Kabine steht – zehn Minuten haben wir!“
Aldwins Hände
glitten über ihre Taille abwärts – und
zog ihr schnell den
glockig geschnittenen Rock hoch, um sie um ihr Hüften zu fassen. Ihr
Taille fühlte sich aber fremdartig fest an, als wäre ein Panzer
zwischen seinen Händen und ihrem Körper. „Oh – mein Korsett –
Ich hoffe, es stört dich nicht“
sagte sie leise und öffnete geschickt seine Hose. Sekunden später
fand er ihren Slip, bereit ihn ihr herunterzuziehen, sie wehrte in
jedoch ab: „Mein Höschen hat für dich einen Einlaß – küß mich
jetzt von innen – ich möchte es jetzt ganz schnell“ Ihre Schenkel
waren nackt, er spürte mit seinen Händen die breiten Straps-bänder,
welche die glänzenden Strümpfe zwangen, ihre Fesseln faltenfrei zur
Geltung zu bringen. Aldwin spürte, wie ihre
Hände ihn zwischen die Rüschen ihres Slips geleitete und ihn, nachdem
er sie schnell und ohne jede Furcht des ersten Mal nahm, mit festen
Beinen umklammerte. Er hob sie hoch und stieß tief in sie hinein - ihre
Nässe überraschte ihn – oder war es schon so lang her, dass seine
Erinnerung ihn im Stich ließ !? Sie stöhnte erleichtert auf – nach
mehreren Stößen, gefolgt von dem unbeschreiblichen Gefühl der
Verbundenheit, löste sich die Spannung in der jungen Frau, sie zog
Aldwin’s Kopf zu sich und küsste erst sein Gesicht und dann seine
Lippen, kurz und heftig, um dann hastig Abschied zu nehmen. Nachdem sie
ihre Strumpfbänder und Nylons gerichtet, den Rock geglättet, den
Umhang umgeworfen und den Elevator wieder in Betrieb gesetzt hatte,
brach Aldwin das Schweigen: „Du bist für mich perfekt – wir sollten
uns wieder treffen!“ Mit keinem Ton schien sie zuzugeben wollen, dass
sie eben den Akt mit einem fremden Mann vollzogen hatte: „Ich bin
nicht für eine Widerholung a’la „Der letzte Tango in Paris“
geeignet“ antwortete sie mit einem kurzen Augenaufschlag,
ohne irgendeine Regung erkennen zu lassen.
Sie verließ die Kabine in Ebene 184 ohne sich umzudrehen.
Etwas benommen
nach diesem plötzlichen Tete a’ Tete verließ Aldwin den Lift auf der
52 Ebene; derjenigen, auf der sich die Räume der Handelsgesellschaft
befanden. Schon seit mehr als drei Jahren war Aldwin im Außendienst
dieser Firma, wenn er aber die Zentrale betrat, was selten genug vorkam,
fühlte er sich immer wieder als Fremder. Das Shortie im Lift mit der
unbekannten Schönen hätte ihn eigentlich beflügeln müssen,
gleichwohl wollte sich bei ihm kein Hochgefühl einstellen. Er konnte
dieses verdammte Büro des CEO nicht gleich finden. Die Unzahl von Gängen,
Türen und Schilder, die von Namen und deren Wichtigkeit oder je nach
dem, ihrer Unwichtigkeit kündeten, lösten einander ab – das Wirrwarr
war stets das gleiche für ihn. Da die Arbeitszeit zu Ende war, lagen
die Gänge verlassen im Halbdunkel –
keine Person weit und breit, die Auskunft hätte geben können.
Auch die Bildschirme der elektronischen Guides waren schon dunkel. Ein
Blick auf sein Chronometer sagte ihm, das es schon 1657 war –
Aldwin hasste Unpünktlichkeit, vor allem an sich selber. Als
Offizier bei den Streitkräften hatte er stets auf diese Tugend bei
seinen Untergebenen geachtet.
Endlich stand
er vor der Tür von Mr. Sinclair Cornwallis, sie glitt auf Berührung
auf und Aldwin trat ein. Das Büro wurde von einem indirekten
Lichtschleier erhellt, der sich an Wänden entlang zog. Auf der
Fensterseite brach sich das Licht silbern in einem Vorhang aus
Kristallen, die wie Perlenstränge von der Decke hingen. Dahinter ließ
sich die erleuchtete Douwntoun von Magallan City nur erahnen.
Ein massiger
Mann stemmte sich aus seinem Bürosessel – seine Mundwinkel umspielte
ein breites Lächeln, er war sichtlich froh, seinen Agenten für alle Fälle
in guter Verfassung begrüßen zu können. „Hatten Sie einen guten
Transfer?“ Cornwallis schüttelte die Hand Aldwins heftig „Wir haben
uns ja schon seit sieben Monaten nicht mehr gesehen – ein halbe
Ewigkeit! Was wollen Sie trinken, altes Raubein?“ Er hantierte bereits
mit ein paar Flaschen, die abseits in einer Ecke auf einer Anrichte
standen. Die unterschiedlichen Füllstände der gläsernen Behälter und
Karaffen taten kund, das sie hier nicht musealen Zwecken dienten.
„Sehr freundlich, Mr. Cornwallis –
wenn sie einen irischen Malt haben, gerne auf etwas Eis!“
antwortete Aldwin wohl wissend, das Mr. Cornwallis es sicher als
Barbarei ansehen würde, Malt auf Eis zu trinken. Aldwin war aber gebürtiger
Australier und damit immun gegenüber gewissen kulturellen
Gepflogenheiten. „Wie Sie wünschen – Malt auf etwas Eis!“
Cornwallis überreichte Aldwin das Glas „Setzen wir uns doch, Ihre
Berichte und Verhandlungsergebnisse über die Schürfrechte von Mangan
auf Zentaur II habe ich schon per Lichtspruch erhalten. Ich muss Ihnen
ehrlich sagen, noch zwei oder drei Erfolge dieser
Art und Sie können bald meinen Sessel einnehmen! Wissen Sie, ich
werde jetzt 74 und ich möchte ganz gerne noch ein paar weitere Reisen
im Hyperraum machen, bevor ich die Pensionierungsgrenze erreiche! Ganz
im Ernst – ich halte Sie für den besten Nachfolger, den ich mir wünschen
könnte! Denken Sie einmal darüber nach!“ Aldwin hob abwehrend die
linke Hand: „Sie wissen doch, ich bin eine unruhige Natur, ein Bürojob
würde mich das Leben kosten. Aber vielen Dank für Ihr Vertrauen!“
Cornwallis hob sein Glas „Zum Wohl – auf den Erfolg von Zentaur II
und auf Ihre neue Aufgabe, den Planeten Janus!“
Die Männer stießen die Gläser zusammen; Aldwin fragte sich
insgeheim, was es mit der neuen Aufgabe auf sich haben könnte.
Cornwallis aber war ein mitteilsamer Mann – es war sicherlich nicht
notwendig, in ihn zu dringen.
„Also kommen
wir zu dem Planeten Janus, wie Sie sicherlich gelesen haben, befindet er
sich im Sternbild der Nördlichen Krone, 456 Parsec entfernt„
hob der CEO an und betätigte ein paar Tasten seines Computers;
an der Decke des Büros öffnete sich ein Paneel, glitt zur Seite und
ein Holographprojektor kam zum Vorschein. Nach dem das Gerät summend
seine endgültige Position erreicht hatte, begann es sofort mit der
Projektion. Im Halbdunkel entstand
ein Abbild des terrestrischen Sonnensystems, welches nach kurzer
Zeit verkleinert in eine
Ecke des Raumes geschoben wurde und dort verharrte. „Seit einem Jahr
sind sporadische Reisen zu dem Planeten möglich – in der Regel nur
mit Schiffen der Föderation, welche Diplomaten oder Fachleute für die
Erschließung hinbringen. Ein geregelter Verkehr oder Güteraustausch
ist noch nicht möglich, da die diplomatischen Verhandlungen über
Landerechte und Kulturaustausch noch am Laufen sind. Aber ich habe es
geschafft, für Sie ein Visum für drei Monate zu bekommen. Wer zuerst
da ist, malt zuerst!“ Cornwallis freute sich sichtlich über seinen
Coup, einen zivilen Handelsagenten noch vor dem Abschluss der Föderationsverträge
auf diesen, neu entdeckten Planeten am äußersten Rand der heimischen
Milchstraße, entsenden zu können. Er drückte einige weitere Knöpfe
seiner Tastatur und ein weiteres Sternsystem tauchte im Raum des Büros
auf – gleichzeitig projektierte das Gerät die mathematischen
Koordinaten. „Das System der
Janiden. Oder wie sich selber nennen; die Zweigeschlechtigen!“
Cornwallis ließ sich zufrieden in seinen Sessel fallen: „Deswegen hat
die Kommission für Kulturaustausch auch den Föderationsnamen
‚Janus’ vorgeschlagen – die Doppelgesichtigen; irgend ein
lateinischer Name aus dem Altertum – Sie wissen schon!“ und nachdem
Aldwin nicht gleich antwortete, setzte er ein ungeduldiges „Was sagen
Sie jetzt?“ hinzu. Aldwin trank sein zweites Glas aus und stellte es
zufrieden auf den kleinen Glastisch neben seinem Clubsessel: „Nichts
wie hin – wann soll es losgehen!? Sicherlich gibt es dort neue
Rohstoffe, die interessant sind. Was produzieren die eigentlich
besonderes auf diesem Planeten?“ „Gedichte und Romane“ antwortete
Cornwallis lakonisch und innerlich grinsend, da er wusste, dass ein Mann
wie McPekinpah damit nichts anfangen konnte. „Gedichte und Romane“
wiederholte Aldwin ungläubig und ließ sich bereitwillig von Cornwallis
einen dritten Drink einschenken. „Es gibt eine Besonderheit auf diesem
Planeten – diese Bewohner leben nicht in großen Städten und noch
weniger in festen Strukturen. Sie gründen, wenn überhaupt nur für
kurze Zeit ein familienähnliches Gebilde, wenn sie mit einem anderen
Partner ein Kind haben. Ist das Kind alt genug, kommt es in eine Art
Internat und die Partner trennen sich wieder.“ Aldwins Chef holte
weiter aus: „Sie handeln mit wenigen Gütern – in erster Linie
untereinander mit Gedichten und Prosa, dies scheint auch ihr Lebenszweck
zu sein. Für den Export sammeln sie Edelsteine und es gibt kleine
Vorkommen von Uran.“
Aldwin
betrachtete den bereits gesunkenen Stand seines Glases, er war noch ganz
in Gedanken im Lift – verdammt, diese Frau müsste sich doch finden
lassen! Cornwallis fragte nach:“Was kochen Sie aus, Aldwin?! Oder
glauben Sie nicht an Chancen auf diesem neuen Planeten? Heraus damit!“
Aldwin beeilte sich: „Doch, doch – ich denke schon! Aber ich müsste
mehr über diese Ureinwohner wissen. Sind sie auf dem gleichen
technischen Level wie wir oder muss da erst Entwicklungshilfe geleistet
werden?“ „Wissen Sie
was, ich habe für diesen Zweck extra eine Ethnologin für
extraterrestrische Welten engagiert - morgen um neun Uhr haben Sie einen
Termin mit ihr hier in unserem Besprechungsraum. Und jetzt gehen wir
zusammen ein anständiges Steak essen – mit allem Drum und Dran!“
Der Mann klopfte Aldwin auf die Schulter und wandte sich zur Türe.
„Ach ja, die junge Frau ist meine Nichte – ich glaube, sie wird
Ihnen gefallen!“ Der Nebensatz fiel im Gehen, dass Timing war aber unüberhörbar.
Aldwin dachte bei sich, auch dass noch – er verabscheute
berufliche Verpflichtungen privater Art besonders. Der schlaue Fuchs hat
das sicher so eingefädelt, um ihn an die Firma zu fesseln. Aber
vielleicht war er für seine Person auch zu misstrauisch – aber dem
CEO zuzutrauen wäre es
schon.
Der neue Tag
begann für Aldwin ungewohnt luxuriös – das Frühstücksbuffet im
Hotel war für ihn ein seltener Genuß, den es auszukosten galt. Auf den
interstellaren Reisen gab es in der Regel nur ein englisches, sprich
spartanisches Essen – nicht wirklich als Frühstück zu bezeichnen.
Eine gute Küche gab es nur
auf den großen bewohnten Welten – weit draußen, im Outer Space war
die Versorgungslage auf das Minimum beschränkt und meistens von
regionalen Einflüssen bestimmt.
Aldwin betätigte
den Türöffner und die beiden Flügel glitten von Geisterhand
auseinander und gaben den Blick frei in den Konferenzraum; die Glasfront
hinter dem riesigen, ovalen Tisch zeigte
die Stassenschluchten der Ctiy. Manches Bürogebäude in der
Nachbarschaft überragte das eigene um viele Stockwerke. Die Silhouetten
zeichneten sich schattenartig in dem Licht der aufgehenden Sonne ab. Die
Fensterfront zeigte nach Osten –das Licht flutete zwischen den Gebäuden
hindurch - Lichtstrahlen
brachen sich im Dunst des Smogs, dessen Schwaden aus den Tälern zwischen den Wolkenkratzern in der ersten Thermik des frühen
Morgen aufstiegen.
Beinahe hätte
er das weibliche Wesen am Tisch in der Ecke nicht erkannt – sie
stellte gerade ihre Tasse Kaffe vor sich hin und wollte gerade in ihr
laptop sehen, als sie Aldwin gewahr wurde. Ruckartig schnellte ihr Kopf
hoch „Du hier!?“ brachte sie gerade heraus; Aldwin lächelte und
stellte sich sogleich vor: „Gestatten, mein Name ist McPeckinpah –
Aldwin McPeckinpah!“ Aldwin nahm sogleich einen Stuhl und setzte sich
direkt der jungen Dame gegenüber an den Tisch. Die James -Bond-Marotte
konnte er nicht lassen – vor allem passte die Situation; die Überraschung
war perfekt. Hinter den beiden räusperte sich jemand, Mr. Cornwallis
trat ein und sagte: „Guten Morgen, ihr beiden! Wie ich sehe, habt ihr
Euch schon bekannt gemacht oder nicht?“ Ein fragender Blick streifte
Aldwin und Mariotte, den so hieß die junge Dame mit der ausgefallenen
Phantasie für Erotik. Allerdings ahnte ihr Onkel nichts von alledem,
kannte er seine Nichte nur als fleißiges Mädchen, welches stets
korrekt und höflich mit ihm umging. „Darf ich vorstellen: meine Nichte Mariotte; sie ist die ältere Tochter meiner jüngeren
Schwester – ein wahrer Ausbund an Intelligenz, passen Sie auf, Aldwin
– sie ist Ihnen über!“ Ein
breites Lachen begleitete seine Miene, er war sichtlich Stolz auf
Mariotte. „Ich werde Euch jetzt gleich allein lassen, denn mein
Terminkalender ist heute mehr als voll – aber Ihr werdet sicher gut
miteinander arbeiten. Mariotte wird Ihnen alles Wissenswerte und
Notwendige über Janus berichten und Sie vorbereiten!“ sprach’s und
verließ den Raum. Nachdem
sich die Türen zischend
geschlossen hatten, wandte sich Aldwin sogleich Mariotte zu, die etwas
konsterniert auf ihrem Sessel hin- und herrutschte.
„So trifft
man sich wieder!“ Aldwin lächelte Mariotte
an. „Du wirst doch nicht meinem Onkel etwas erzählen?“
fragte sie ihn, sichtlich besorgt. „Aber nein – nur wenn Du nicht
mit mir ausgehst!“ Aldwin lächelte sie böse an, musste aber dann
lachen, denn Mariotte gab alles andere als die selbst bewusste Frau von
gestern Abend ab. „Du denkst hoffentlich nicht jetzt von mir, dass ich
leicht zu haben bin?!“ Aldwin
lächelte sie an: „ Aber nein, wo denkst Du hin – ich glaube nur,
dass Du alleine bist und ein etwas Anlehnung suchst.“ Mariotte fasste
nach der rechten Hand von
ihm und fixierte ihn mit ihren großen Augen: „Laß uns unseren Job
machen – später werden wir dann ja sehen!“; im Vorbeigehen
streichelte sie ihn im Schoß und Aldwin, sichtlich jetzt aus dem
Konzept kommend: „Gut – aber der heutige Abend gehört uns!“
Mariotte spitzte die Lippen und nur für einen Bruchteil konnte
Alwin ihre Zungenspitze sehen – ganz schön raffiniert von ihr,
dachte er sich bei sich.
„Also –
ich weiß nicht ob ich Dich wirklich über Janus informieren soll,
vielleicht ist es ja besser, du findest allein heraus, was für eine
Spezies auf diesem Planet lebt! Nein, nein, war nur ein Witz!“ lächelte
sie, als sie Aldwins Stirnrunzeln sah. „Auf Janus leben die Doppel-
oder besser Zweigeschlechtigen. Sie wechseln je nach Mondphase und
Jahreszeit ihre Gesichtszüge und je nachdem, für welchen möglichen
Partner sie sich interessieren. Praktisch mutieren sie von Mann zu Frau
und umgekehrt – abhängig von eben den genannten Bedingungen und ob
sie sich für einen Partner interessieren!“ Mariotte stockte um Luft
zuholen, aber Aldwin kam ihr zuvor: “Du willst doch nicht mir weiß
machen, dass es so was gibt! Auf meinen interstellaren Reisen ist mir
eine solche Spezies noch nicht untergekommen und ich hätte sicher davon
gehört. Also hör auf, mich zu verkohlen und sag mir lieber, ob du mit
mir heute Essen gehst!“ „Ich verkohl dich nicht und ja, ich
verspreche Dir, heute mit dir Essen zu gehen! Und wenn Du brav bist und
jetzt schön mitarbeitest, gibt es mich zur Nachspeise!“ Mariotte
kniff die Augen zusammen und lächelte Aldwin spitzbübisch an – sie
war sich ihrer Wirkung bewusst und hatte ihre Contenouce
nach der ersten Überraschung schnell wieder zurück gewonnen.
„Also, wir wissen über diesen Planeten noch recht wenig – denn die
Einwohner verhalten sich wie die Mafia im 20. Jahrhundert: nicht reden,
nichts wissen und vor allem halten sie ihre Lebensart der Unseren weit
überlegen. Technik und gesellschaftlicher Fortschritt ist ihnen nicht
fremd – aber eben nicht notwendig. Aus ihrer Sicht genügt es sich
selbst zu genügen. Sex und der Flirt dagegen steht an erster Stelle. Übrigens,
als Zahlungsmittel werden Gedichte benutzt – umso besser Du im Dichten
bist, umso wohlhabender und auch
begehrter bist Du!“ „Oh,
je“ warf Aldwin ein „Da lande ich bei meinen Qualitäten garantiert
auf der Gosse!“
Aldwin rückte
seine Krawatte zurecht, bevor er den Summer von Mariotttes Eingangstür
betätigte. Nach ein paar Augenblicken öffnete sich die Tür und seine
vielleicht neue Freundin begrüßte ihn lächelnd. Sie nahm seine Hand
und führte ihn sogleich in das Wohnzimmer. Dann drehte sie sich um und
genoss erst einmal seinen bewundernden Blick, der ihren gesamten Körper
nach und nach musterte. Mariotte hatte ihr Kleid noch nicht angezogen,
so konnte Aldwin sie ganz betrachten. Sie trug eine Büstenhebe, dazu
ein Tallienmieder mit breiten Strapsbändern, an denen hauchzarte Strümpfe
befestigt waren. Die hohen Pumps betonten die Ferse und Nähte der Strümpfe.
Alles war in tiefem Schwarz gehalten. Darüber trug sie ein
durchsichtiges Neglee aus schwarzem Tüll, dass unter der Brust gerafft
war und die Brüste mehr betonte als verdeckten. Aldwin stockte fast der
Atem; Mariotte kam ganz nah zu ihm und küsste ihn sanft, gleichzeitig
spürte er, wie sie vorsichtig aber bestimmt seine Hose öffnete. Dann
ging sie langsam in die Hocke und öffnete gänzlich seine Hose –
Sekunden später kam Aldwin
es vor, als würde er verschlungen; er spürte ihre Zähne und dann
wieder ihre Zunge, die seinen Penis liebkoste. Nach einer langen, nicht
enden wollenden Minute ließ Mariotte von ihm ab zog ihn zu einem Tisch
und setzte sich darauf. Sie spreizte die Beine und legte sie auf die
Schultern von Aldwin. „Du kommst immer gleich zur Sache, mein
Liebling!“ sagte Aldwin. Mariotte antwortete nicht, sondern drängte
seinen Penis mit ihren Händen in ihren Schoß. „Mach es langsam –
ich möchte es so richtig genießen!“ befahl sie ihm mit einem Augenaufschlag;
ihr Mund öffnete sich zu einem leichten Seufzer, als Aldwin ihre
Vagina ausfüllte. „Oh – ich liebe es vor dem Essen richtig gevögelt
zu werden, pardon verwöhnt zu werden!“ verbesserte sich Mariotte errötend
- dabei blitzten ihre Augen; ihre Offenheit schien ihr nicht peinlich
oder war es ihre Unbekümmertheit?
Das Lokal lag
in einer elipsoiden Gondel, die an einem langen, gebogenen Ausleger über
einem Straßental der Megacity hing. Durch die ovalen Fenster sah man
den Sonnenuntergang, der sich blutrot ankündigte. Vereinzelte
Zirruswolken wurden vom Gestirn orangepink angestrahlt – das blasse
Blau des Himmels gab einen reizvollen Kontrast. Die Skyline hingegen hob
sich dunkelgrau und bedrohlich von ihm ab. Nur vereinzelte Lichter in
den höheren Etagen verrieten die Anwesenheit von der Spezies Mensch.
Hin und wider zog ein Speedair surrend vorbei – in dieser Höhe flogen
nur Maschinen zu den Raumhäfen. Bald würde Aldwin eines von ihnen
benutzen. Der Boden des Raumes bestand aus Plexiglas – unten in den
Straßenschluchten war das Nachtleben schon im vollen Gange; die
Neonlichter strahlten aus der Tiefe der Strassenschluchten und ließen
die Höhe der Wolkenkratzer nur erahnen.
Mariotte
schlug die Speisekarte auf, ihr hochgestecktes Haar und das tiefblaue,
hoch geschlossene Kleid aus Seidentaft verriet nichts von dem erotischen
Auftakt des Abends. Aldwin musterte verstohlen seine neue, unverhoffte Liebe, wie sie in der Karte angestrengt die Angebote des
Restaurants studierte. „Ich habe vielleicht einen Hunger – lass uns
den Abend richtig feiern, mein Onkel wird Dich sicherlich sehr schnell
losschicken und die Zeit bis dahin müssen wir noch genießen!“
Mariotte lächelte Aldwin an und und schlüpfte mit dem linken Fuß aus
ihrem Pump um sogleich mit der Fußspitze den Schoß von Alwin zu
ertasten. Alwin hob erst die Augenbrauen hoch: „Mariotte, benehme Dich
nicht wie ein läufiger Teenager! Es ist Deiner nicht würdig!“
Mariotte zog einen Schmollmund und gehorchte- etwas widerwillig und ihr
etwas befremdlich – so kannte sie sich gar nicht. Bisher war eine
solche Ermahnung für sie eher Anerkennung und Ansporn.
„Also, Du
hast mir jetzt allerlei Wirtschaftdaten, kulturelle Aspekte, Geographie und Geschichte sowie politische Bedingungen über
Janus erzählt – aber nicht über die Einwohner. Was für welche Leute
erwarten mich da!?“ nahm Alwin das Tischgespräch auf. Mariottte lächelte
erst, dann wurde sie ernst: „Eigentlich sollte ein frisch verliebte
Frau alles unternehmen, um zu verhindern, dass ihr Geliebter auf einen
solchen Planeten fliegt! Das merkwürdige und zugleich wunderbare bei
seinen Bewohnern ist, das sie doppelgeschlechtlich
sind. Ist einer von ihnen ohne Partner,
also alleine, unterliegt sein Geschlechtswechsel den Jahreszeiten
und den Mondphasen. Es gibt von den Monden derer drei. Die Berechnung
ist komplex und Aufgabe ihrer Priester. Der gesamte religiöse Kult
dreht sich um nichts anderes – die
Fortpflanzung hängt davon maßgeblich ab.
Nun ist es so,
trifft ein Mann einen Partner, der vom Zyklus gerade eine Frau ist,
entsteht eine Familie, allerdings nur für kurze Zeit. In dieser Zeit
behält jeder sein Geschlecht – wenn Du so willst, seine Rolle. Nach
einem gewissen Zeitraum trennen sie sich wieder. Warum und wieso wissen
wir noch nicht so genau. Vielleicht findest Du etwas heraus. Und nun das
Besondere: da es nicht sehr viele Einwohner auf dem Planeten leben und
wir als Rasse von Terra ihnen offensichtlich gut gefallen, sind wir als
Partner interessant. Also, als Deine Freundin kann ich kaum damit
einverstanden sein, dass Du dorthin fliegst!“ Mariotte fixierte Aldwin
scharf über den Tisch „Du kannst doch unmöglich schon jetzt eifersüchtig
sein; vor allem nicht auf ein fiktives Wesen in einer anderen
Galaxie!“ lachte Aldwin. „Kann ich schon – muss aber nicht“ gab
sie zurück. „Aber, Du hast Recht, ich bin albern!“
Mariotte zog eine Schnute und gab dann ihre Bestellung an den
Kellner, der schon ein ganze Weile von ihr
unbemerkt neben ihr gewartet hatte und zunehmend interessiert, an
ihrem Vortrag, zugehört hatte. Der weitere Abend verlief wie zu
erwarten, mit einer Diskussion über das Rollenbild der Frau und des
Mannes, des jahrtausende alten Geschlechterkampfes, Kinsey-report etc.
etc. etc. ...
Mariotte drückte
sich fest an Aldwin, während des Kusses spürte er ihre Hand, die
seinen Schoß streichelte: „Vergiß mich nicht gleich, mein
Geliebter!“ flüsterte sie ihm ihn sein Ohr. „Wie kannst du so etwas
sagen, Mariotte?“ entgegnete Aldwin und versuchte sich nun nach dem
zweiten Aufruf für den Shuttle von ihr widerstrebend loszumachen.
„Die fliegen gleich ohne mich – Dein Onkel zerreist mich in der
Luft, wenn ich die Passage versäume!“ „Das werde ich zu verhindern
wissen!“ lächelte sie ihn an und gab ihn frei. Aldwin ging durch das
Gate ohne sich ein weiteres mal umzudrehen und betrat die Schleuse zum
Shuttle.
Mariotte
starrte eine Weile noch Gedanken verloren auf die nun geschlossenen Türen
zum Abflugbereich, drehte sich dann abrupt um und verließ die Halle.
Nur das energische Stakkato ihre hohen Stöckel verrieten ihren Gemütszustand.
Ogami
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