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Vor einiger Zeit gaben wir uns dem Luxus hin,
die bayrische Metropole München zu besuchen. Wir hatten bewusst
keinen Einkaufsführer in Sachen Korsett, Nylons oder High-Heels
mitgenommen; in Zeiten knapper Kassen ein zunächst verständlicher
und lobenswerter Vorsatz.
In der Großstadt unterliegen wir Landeier
aber dann doch den Verlockungen der großen Schaufenster, schön
dekorierten Auslagen und Scheinwerfer. „Frau“ muß sich ja,
wenn sich die Gelegenheit bietet, über die Neuerungen auf dem
Markt der Mode informieren.
So wurde ein großes Kaufhaus in der Münchner
Innenstadt angesteuert. Zur Freude des „Herrn“ fand die
Informationsbeschaffung der „Frau“ natürlich auch in der
Feinstrumpfabteilung statt. Die angebotene Ware sichtend fiel uns
eine Verkäuferin auf, die eine Kundin bediente. Die mit Rock und
Bluse gekleidete Verkäuferin, die offensichtlich nicht zum
Kaufhaus gehörte, versuchte Halterlose und/oder Strapsstrümpfe
einer Strumpffirma an die Frau zu bringen. Aus dem Gestenspiel der
beiden Damen war zu entnehmen, dass die potenzielle Käuferin
anscheinend ein Problem beim Halt der Halterlosen hatte.
Kurzerhand und wild entschlossen, das Strumpfpaar nun verkaufen zu
wollen, lupfte die Verkäuferin ihren Rock so hoch, dass für
jeder“frau“ ersichtlich der Strumpfrand der hautfarbenen
halterlosen Strümpfe ersichtlich war, um der potenziellen Käuferin
von der Qualität der Strümpfe zu überzeugen.
Wir staunten nicht schlecht; wäre so etwas
in unserem 40 qm Tante-Emma Laden auf dem Land natürlich
undenkbar.
Nachdem wir uns von diesem Erlebnis einigermaßen
erholt hatten, konnten wir den Schaufensterauslagen eines großen
Erotikversandes nicht widerstehen, der Korsetts feilbot.
Nachdem wir im ersten Stock angelangt und
unser Interesse an Korsetts der freundlichen Verkäuferin Kund
getan hatten, kam diese mit der entsprechenden Ware zu einem
Tisch, um das noch verpackte Korsett zu entschnüren. Sofort
erkannten wir, dass die Verkäuferin in dieser Art der Arbeit noch
recht unerfahren war. Unter den staunenden Blicken der von
„Ihm“ zur Seite geschobenen Verkäuferin war das Korsett
schnell geöffnet und „Ihr“ entsprechend angezogen.

Auf den ersten Blick passte es recht
passable, natürlich unter Berücksichtigung der Abstriche die
„Frau“ gegenüber einem Maßgeschneiderten hinnehmen muß.
Da in der Umkleidekabine leider keine Sitzmöglichkeit
vorhanden war, fragten wir nach einem Stuhl. Die Verkäuferin
schaute ungläubig, ergatterte dann aber einen aus dem Erdgeschoß.
Die Sitzprobe führte dann zu der Gewissheit, dass der Schnitt des
Korsetts für „Sie“ ungeeignet war; es war vorne zu lang
geschnitten und schmerzte beim Sitzen. Der Verkäuferin wurde
dieser Umstand erklärt. Sie wollte durch probieren einer anderen
Größe diesen Mangel beseitigen. Wir erklärten Ihr, dass nicht
die Größe sondern der Schnitt des Korsetts für die schlechte
Sitzprobe verantwortlich sei und dies auch nicht durch eine andere
Größe zu beheben sei! Wir verabschiedeten uns freundlich mit der
Erkenntnis, dass die Verkäuferin in Sachen Korsetts leider über
keine Fachkenntnisse verfügte und wenn sie nicht gestorben ist,
sie heute noch an der Schnürung des zurückgelassenen Korsetts
arbeitet.
Der Anprobierlaune überdrüssig,
entschlossen wir uns, dem eigentlichen Zweck unseres München-Besuches
hinzugeben, der Besichtigungstour.
Bereits nach kurzer Wanderung fanden wir
durch Zufall einen Laden für Theaterbedarf, der in seiner
Schaufensterauslage Korsetts anbot. Schon wieder packte uns das
Anprobierfieber.
Eine freundliche Verkäuferin fragte uns nach
unserem Begehr. Gemäß unserer Antwort holte sie alle im Laden
verfügbaren Korsetts hervor und gab uns gleich zu verstehen, dass
Sie von diesen Kleidungsstücken nicht allzu viel verstehe; da müssten
wir schon warten, bis der Chef persönlich Zeit für uns habe, der
vorn im Laden eine Kundin bediente. Wir gaben der Verkäuferin zu
verstehen, dass wir schon selber zurecht kämen und gaben ihr ein
wenig Nachhilfeunterricht.

Leider passten die sehr schön gearbeiteten
Korsetts schon vom Schnitt her nicht. Ein weiteres Probieren war
zwecklos.
Der Laden hatte aber neben den Korsetts einen
schier unendlichen Vorrat an Strumpfware. Unser Suchen in den
vielen Regalen wurde mit einigen herrlichen Reiter-Strümpfen
belohnt, die zwar leider im Preis nicht reduziert waren, aber in
sonstigen Geschäften nicht mehr zu erwerben sind.
Damit konnten wir zumindest ein kleinen
Erfolg für diesen Tag verbuchen.
stly
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